Glaubt man den Ankündigungen der Firmenchefs, dann müsste es heuer ein Boom-Jahr bei Übernahmen und Fusionen werden. Die Realität sieht nach den ersten sechs Monaten aber ganz anders aus. Nach den krisenbedingt mageren Jahren im Geschäft mit Fusionen und Akquisitionen (M&A) und den wieder gut gefüllten Kriegskassen der Unternehmen sind zwar viele auf der Suche nach Zukäufen, Abschlüsse gab es aber weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. So gab es von Jänner bis Juni insgesamt 155 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 2,4 Milliar den €, geht aus der aktuel len Studie des Institute of Merger, Acquisitions and Alliances (IMAA) hervor. Das ist nach Anzahl ein Minus von 6,6 Prozent.

Die Unsicherheit durch die Verschärfung der Überschuldungskrise in der Europäischen Union habe laut Christopher Kummer, Chef des IMAA, wieder zugenommen. „Im Moment sind alle Akteure wieder vorsichtig geworden“, sagt Kummer. Er beobachte zwar, dass hinter den Kulissen viel in Bewegung ist und auch viele mögliche Transaktionen konkret verhandelt werden, aber die Abschlüsse zögen sich wohl aufgrund der größeren Unsicherheiten länger hin.

Interessant sei, dass im ersten Halbjahr die österreichischen Unternehmer aktiver am M&A-Parkett waren als ausländische Investoren. So waren bei den zehn größten Deals, gemessen am Volumen, die Österreicher auf der Käuferseite. Zu den größten Transaktionen im ersten Halbjahr zählt die Übernahme der polnischen EFG Eurobank durch die Raiffeisen Bank International um 490 Millionen €. Immerhin 225 Millionen € gibt die Austria Micro Systems (AMS) für die amerikanische Texas Advanced Optoelectronic Solutions aus und die Immofinanz hat für 42 Millionen € ihren Anteil an der rumänische Adama Holding aufgestockt.

Prognose schwierig

Mit einer Prognose für das Gesamtjahr ist der Experte, der auch an der Webster University lehrt, vorsichtig geworden. Mit einem echten Aufschwung rechnet er nicht mehr. „Derzeit gehe ich davon aus, dass die M&A-Aktivitäten auch im Gesamtjahr unter dem Vorjahr bleiben werden“, so Kummer.

Österreichs M&A Aktivitäten

 

M&A activity Austria
M&A volume in Austria

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