M&A China/Deutschland: Starker Renminbi Heizt Outbound-M&A An

Chinas Investitionen in Europa erreichen Rekordvolumen

2014 erreichten die chinesischen Investitionen in Europa mit insgesamt 18 Mrd. USD einen neuen Rekord. Im Vergleich zum relativ schwachen Jahr 2013 war dies eine Verdoppelung des Volumens. Zu diesem Resultat kommt die Studie „Reaching New Heights“ der Wirtschaftskanzlei Baker & McKenzie und der Investment Bank CICC, die auf Daten des Analysehauses Rhodium basiert. Dabei wurden 153 M&A-Transaktionen und Greenfield-Investments chinesischer Investoren im Jahr 2014 erfasst und ausgewertet. Das Vereinigte Königreich lag mit 5,1 Mrd. USD an der Spitze, gefolgt von Italien und den Niederlanden. Deutschland landete mit 1,6 Mrd. USD hinter Portugal auf Rang fünf. In der gesamten erfassten Periode seit der Jahrtausendwende steht Deutschland mit 8,4 Mrd. USD auf dem zweiten Platz hinter dem Vereinigten Königreich mit 16 Mrd. USD. Übernahmen machten in den vergangenen zehn Jahren 89% des gesamten Investitionsvolumens chinesischer Unternehmen in Europa aus. Ein wichtiger Faktor dabei ist der stabil steigende Trend bei den kleineren (unter 100 Mio. USD) und mittleren (zwischen 100 Mio. USD und 1 Mrd. USD) M&A-Transaktionen, auf die 2014 zusammen rund 7 Mrd. USD zurückgehen. www.bakermckenzie.com

Figure 1 Chinas Investitionen in Europa erreichen Rekordvolumen

Deutscher Mittelstand mit neuer Niederlassungsstrategie in China

Deutsche Unternehmen wollen ihr China-Geschäft weiter verstärken: 35% der bereits im Reich der Mitte tätigen Firmen planen innerhalb der kommenden drei Jahre neue Niederlassungen vor Ort. 32% sind unentschieden und 33% haben keine entsprechenden Pläne. Dabei bevorzugen insbesondere Produktions- und Einkaufsniederlassungen im Gegensatz zu früher zunehmend kleinere Orte im Umfeld von Metropolen wie Shanghai, Beijing oder Guangzhou. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des German Centre Shanghai und des Chinaforums Bayern unter mehr als 180 zumeist mittelständischen Unternehmen. 92% der Befragten bevorzugen für ihre produzierenden Niederlassungen mittlerweile kleinere Städte in der Nähe von Metropolen, nur noch 12% wollen künftig direkt in den Megacitys neue Werke eröffnen. Für Vertrieb und Service stehen aber die Megacitys nach wie vor im Zentrum ihrer Strategie: 95% der in diesen Bereichen tätigen Unternehmen wollen sich dort auch in den kommenden Jahren neu ansiedeln. www.chinaforumbayern.de

Figure 2 Welche Regionen sind attraktiv für Ansiedlungen im Bereich Produktion, Einkauf und Vertrieb/Service?

Chinas Privatunternehmen legen bei Outbound-Deals zu

Der Anteil, den Privatunternehmen an chinesischen Outbound Investments einnehmen, ist laut der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in den vergangenen fünf Jahren stark gestiegen. 2014 machte das Volumen der Outbound-M&A-Deals von Privatunternehmen bereits 41% aus, während sie 2010 noch bei 10% gelegen hatten. Dementsprechend fiel der Anteil der Staatsbetriebe von 90% auf 59%. Die Ursache für die erhöhte Aktivität der Unternehmen in Privatbesitz sieht KPMG vor allem in den Herausforderungen auf dem wettbewerbsintensiven, aber nicht mehr so wachstumsstarken Heimatmarkt. KPMG beobachtet dabei einen Trend hin zu größeren M&A-Transaktionen durch Privatunternehmen. Demnach gingen von den zehn größten Outbound-M&A Deals chinesischer Investoren im vergangenen Jahr fünf auf das Konto von Privatunternehmen. www.kpmg.com

Figure 3 Chinesische Outbound-M&A-Transaktionen nach Volumen, 2010 – 2014

Jeder zehnte CEO in China plant Cross-Border-M&A

Für 2015 planen 10% der chinesischen Unternehmensführer grenzüberschreitende M&A-Transaktionen. Ein noch größerer Teil, nämlich 28%, streben auf dem heimischen Markt eine Fusion oder Akquisition an. Dies ergab eine Umfrage von PwC unter 136 chinesischen CEOs. Die „neue Normalität“ ist demnach auch bei Chinas Wirtschaftsführern angekommen. Neben klassischen Maßnahmen wie Kostenreduktion und Outsourcing fassen die CEOs angesichts der gestiegenen Herausforderungen verstärkt strategische Allianzen oder Joint Ventures ins Auge. Hier möchten 60% der Geschäftsführer in diesem Jahr aktiv werden – ein Plus von 18 Prozentpunkten gegenüber 2014. www.pwc.com

Chinesische Outbound-Investoren hinken bei Durchführung und Post-Merger-Integration hinterher

Trotz des rasanten Wachstums der Anzahl und des Volumens chinesischer Auslandsinvestitionen in den vergangenen Jahren bleibt der Anteil zeitnah umgesetzter Outbound-M&A-Transaktionen im internationalen Vergleich niedrig. Während chinesische Investoren nur in 67% der Fälle eine Transaktion tatsächlich innerhalb eines Jahres nach der Ankündigung einen Deal zu Ende bringen, sind es bei westeuropäischen Unternehmen 84% und bei US-Investoren sogar 85%. Dies ist ein Ergebnis einer Umfrage der Boston Consulting Group unter chinesischen Unternehmen. Als besondere Herausforderungen für Chinas Auslandsinvestoren identifiziert die Beratungsgesellschaft eine häufig unklare M&A-Strategie, Schwächen bei der Due Diligence und Probleme bei der Post Merger Integration (PMI). Die chinesischen Unternehmen selbst gaben als Grund dafür, eine PMI nach einer Akquisition nicht durchzuführen, vor allem fehlende eigene Ressourcen zur Integration (24% der Befragten) und mangelnde Erfahrung (16%) an. Kulturelle Differenzen bzw. Unterschiede in der Managementphilosophie waren der wichtigste einzelne Faktor (28%), der eine erfolgreiche Integration aus ihrer Sicht verhinderte. www.bcg.com

Figure 4 Gründe, eine Post-Merger-Integration (PMI) nicht umzusetzen

Wanda sorgt für Wirbel auf Europas Sportmarkt

Die Dalian Wanda Group mischt den europäischen Sportmarkt auf. Ende März meldete der chinesische Mischkonzern den erfolgreichen Einstieg bei Atlético Madrid. Über die Tochter Wanda Madrid Investment erwarb die in Peking ansässige Gruppe für 45 Mio. EUR einen 20%-Anteil am spanischen Fußballmeister. Konzernchef Wang Jianlin, ein bekennender Fußballfan, plant nach eigenen Angaben, auf die Ausbildungserfahrung für Nachwuchsspieler bei Atlético Madrid zurückzugreifen und in Spanien chinesische Fußballtalente trainieren zu lassen. Vor dem Abschluss des Atlético-Deals hatte Wanda bereits die Übernahme des Schweizer Sportmarketing-Unternehmens Infront Sports & Media AG von der europäischen Private-Equity-Gesellschaft Bridgepoint für 1,05 Mrd. EUR bekanntgegeben. Damit beabsichtigt die Unternehmensgruppe ihre Position im chinesischen Sportsektor zu stärken und gleichzeitig die Aussichten Chinas bei der Bewerbung um internationale Großveranstaltungen zu verbessern. Das von Philippe Blatter, einem Neffen des FIFA-Chefs Joseph Blatter, geführte Unternehmen ist in China vor allem beim Aufbau der Basketballliga engagiert. Auch nach der Transaktion wird Blatter CEO von Infront bleiben.

Die Schweizer befinden sich in einer führenden Position im globalen Sportmarketing und unterhalten Partnerschaften mit 160 Rechtehaltern in über 25 Sportarten sowie mit hunderten Sponsoren und Medienunternehmen. So ist Infront beispielsweise Partner der FIFA und des DFB. 2014 hat die Gruppe einen Umsatz von über 800 Mio. EUR erwirtschaftet. Die Dalian Wanda Group wurde 1988 gegründet und ist in vier Kerngeschäftsfeldern tätig: Gewerbeimmobilien, Kultur und Tourismus, E-Commerce sowie Finanzdienstleistungen. 2014 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 242,5 Mrd. RMB (36,2 Mrd. EUR).

Private-Equity-Fonds Xio kauft Compo Expert

Die chinesische Xio Group hat den Spezialdüngemittelhersteller Compo Expert gekauft. Es handelt es sich um eine Sparte des Unternehmens Compo, das zum Portfolio des Frankfurter Private-Equity-Investors Triton gehört. Die Privatkundensparte Compo Consumer bleibt weiterhin im Besitz von Triton. Die Beteiligungsgesellschaft hatte Compo 2011 von dem im DAX notierten Rohstoffkonzern K+S übernommen. Zum Kaufpreis machten die Beteiligten keine Angaben. Für Xio ist es das erste Investment in Europa. Das Management von Compo hatte nach der Übernahme durch Triton zahlreiche Maßnahmen zum Ausbau der Marktposition des Segments Spezialdüngemittel durchgeführt. Neben dem Markteintritt in Lateinamerika zählt dazu auch die Eröffnung eigener Standorte in Hongkong und Shanghai sowie die Erweiterung des Produktportfolios. Laut Angaben der Xio Group plant der Neueigentümer, die Entwicklung des Münsteraner Unternehmens weiter voranzutreiben. Derzeit beschäftigt Compo Expert weltweit rund 500 Mitarbeiter. Die chinesische Private-Equity-Gesellschaft Xio Group ist nach eigenen Verlautbarungen ein globales Unternehmen für alternative Investments mit Büros in London, Shanghai und Hongkong. Das Unternehmen verfügt demnach über Investitionskapital in Milliardenhöhe, das weltweit für Transaktionen eingesetzt wird.

Zhongding übernimmt Wegu für 95 Mio. EUR

Der chinesische Automobilzulieferer Anhui Zhongding Sealing Parts hat Mitte April die Übernahme des deutschen Kunststoffverarbeiters Wegu Holding abgeschlossen. Der Vertrag war im Januar unterzeichnet worden und das Bundeskartellamt hat die Transaktion zwischenzeitlich freigegeben. Das an der Börse Shenzhen notierte Unternehmen übernimmt 100% der Wegu-Anteile für einen Preis von 95 Mio. EUR von den Investmentgesellschaften DMB 1. Invest (90%) und Equitrust Beteiligungen (5%) sowie dem Geschäftsführer von Wegu, Horst Zimmermann (5%). Die im hessischen Kassel ansässige Wegu Holding verarbeitet polymere und elastomere Werkstoffe zu Komponenten für die Automobilindustrie wie Innenraumverkleidungen, Kotflügel und Schmutzfänger. Das Unternehmen beschäftigt rund 260 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2013 ein EBITDA von 9,8 Mio. EUR bei einem Umsatz von 48,5 Mio. EUR. Anhui Zhongding Sealing Parts ist Teil der Anhui Zhongding Holding mit Sitz in Ningguo in der südostchinesischen Provinz Anhui. Mit einem Jahresumsatz von 10,4 Mrd. RMB (1,6 Mrd. EUR) gehört der Konzern zu den führenden Automobilzulieferern in China. Zu den Kunden gehören u.a. Volkswagen, BMW, Ford und Toyota. In Deutschland hat Zhongding bereits 2009 den Hydraulikleitungshersteller Schmitter und 2014 den Dichtungsspezialisten Kaco übernommen.

Transaktionen im Überblick

Figure 5 Transaktionen im Überblick 2015

Weichai stockt Anteile an Kion weiter auf

Der chinesische Dieselmotorhersteller Weichai Power hat einen zusätzlichen Anteil von 4,95% an Kion gekauft. Der Zukauf kostete die Chinesen 186,94 Mio. EUR. Damit liegt der chinesische Anteil an dem im MDAX notierten deutschen Gabelstaplerhersteller nunmehr bei 38,25%. Laut Angabe des Unternehmens aus Shandong wurde der Anteil an der Kion Group AG von der Kohlberg Kravis Roberts und der zu Goldman Sachs gehörenden Investmentholding Superlift erworben. Der Zukauf werde die strategische Allianz mit Kion stärken, sagte ein Sprecher von Weichai Power. Im September 2012 war Weichai Power bei Kion mit einem Anteil von zunächst 25% eingestiegen. Gleichzeitig übernahm Weichai mit einer Mehrheitsbeteiligung von 70% die Hydrauliksparte Kions, die seitdem unter dem Namen Linde Hydraulics geführt wird. Seit dem Einstieg stockte Weichai nach und nach seine Anteile an Kion auf, zuletzt Anfang 2014 mit einem Zukauf von weiteren 3,3%. Weichai Power Co. Ltd. wurde im Jahr 2002 als Tochterunternehmen des Staatskonzerns Shandong Heavy (heute Weichai Holding Group) gegründet. Mit seinen rund 45.000 Mitarbeitern erzielte das Unternehmen 2013 einen Ertrag von 4,3 Mrd. RMB (638 Mio. EUR) bei einem Umsatz von 60,8 Mrd. RMB (9 Mrd. EUR). Kion hat seinen Sitz in Wiesbaden und ist einer der weltgrößten Hersteller von Gabelstaplern. Mit ca. 22.000 Beschäftigten produziert Kion jährlich 150.000 Stapler. Das Unternehmen weist eine Marktkapitalisierung von 4,1 Mrd. EUR auf. Es erzielte 2014 einen Ertrag vor Steuern von 280 Mio. EUR bei einem Umsatz von 4,7 Mrd. EUR.

ChemChina übernimmt Pirelli

Die China National Chemical Corporation (ChemChina) übernimmt Pirelli für insgesamt 7,1 Mrd. EUR. Im ersten Schritt hat sich ChemChina von der Holding Camfin 26,2% der Anteile am fünftgrößten Reifenhersteller der Welt für knapp 1,9 Mrd. EUR gesichert. Camfin gehört mehrheitlich dem russischen Ölkonzern Rosneft und einer Holding des Pirelli-Chefs Marco Tronchetti Provera. Mit der Übernahme erhält ChemChina Zugang zur Technologie für die Herstellung von Premium-Reifen. Der Vorsitzende Ren Jianxin verlautbarte, einen weltweiten Marktführer in der Reifenindustrie schaffen zu wollen. Der italienische Reifenhersteller dagegen soll von einer strategisch besseren Positionierung am chinesischen Wachstumsmarkt profitieren. Geplant ist nun ein Delisting von der Mailänder Börse, um sich auf die Restrukturierung zu fokussieren. Pirelli will sein Geschäft mit Lkw-Reifen ausgliedern und mit dem chinesischen Hersteller Aeolus fusionieren, einer ChemChina-Tochter. Der Staatskonzern ChemChina wurde 2004 in Beijing gegründet und ist weltweit in 140 Ländern aktiv. 2013 meldete das Unternehmen Verkaufserlöse und einen Umsatz in Höhe von 244 Mrd. RMB (36 Mrd. EUR).

Starker Renminbi heizt Outbound-M&A an

China durchläuft eine Phase „gebremsten“ Wachstums. Doch dies wird das deutsch-chinesische M&A-Geschäft nicht stoppen, denn Peking drängt die Unternehmen, immer massiver im Ausland zu investieren. Gleichzeitig heizt der schwache Euro Übernahmephantasien chinesischer Investoren an. Auch in Deutschland. VON MARK FEHR UND STEFAN GÄTZNER

Der jüngste Balanceakt der chinesischen Regierung wirkt sich auf das Wirtschaftswachstum aus. Peking versucht einerseits, den Aufbau von Überkapazitäten in der Industrie und Fehlentwicklungen im Immobilienmarkt einzudämmen. Andererseits will die Regierung nicht nur einzelne Industriezweige, sondern die gesamte Struktur der Wirtschaft modernisieren: Der heimische Konsum- und Servicesektor soll gestärkt werden. Doch diese Veränderungen brauchen Zeit. Hinzu kommt die intensive Korruptionsbekämpfung, die Entscheider offensichtlich vorsichtig werden lässt. Die Folgen bleiben nicht aus. Um „nur“ 7,0% legte das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2015 zu, was wenig ist für chinesische Verhältnisse. Im Vorquartal waren es noch 7,3% gewesen – ganz zu schweigen von den zweistelligen Wachstumsraten in den Jahren davor. Gleichzeitig aber forciert die Regierung ihre Going-Out-Strategie: Chinesische Unternehmen sollen im Ausland investieren und dort neue Märkte erschließen. In diesem Zusammenhang stehen auch die Intensivierung der Zusammenarbeit mit den asiatischen Nachbarn bei überregionalen Infrastrukturprojekten unter dem Schlagwort „neue Seidenstraße“ sowie die Gründung der Asiatischen Infrastruktur Investitionsbank (AIIB). Gute Rahmenbedingungen also für chinesische Outbound-Investitionen. Insbesondere, da auch Peking die entsprechenden Regularien im vergangenen Jahr deutlich vereinfacht hat. So wurde 2014 auch zu einem Rekordjahr, in dem zum ersten Mal über 100 Mrd. USD an Direktinvestitionen ins Ausland flossen. Für Unternehmen aus China, die in Europa auf der Suche nach Übernahmekandidaten sind, kommt derzeit ein Sonderfaktor hinzu: der günstige Eurokurs. Vor einem Jahr lag die Notierung des Euro noch bei über 8,65 Yuan Renminbi, im April dieses Jahres lag der Kurs zeitweise unter 6,60 Yuan. Deutsche Investitionen in China leiden natürlich hierunter. Jedoch eröffnet die forcierte Entwicklung des Binnenmarkts auch langfristig Chancen jenseits der tradierten Investitionen in billige, auf Export getrimmte, chinesische Produktionsstätten.

Chinesen investieren typischerweise in Technologie. – PROFESSOR KLAUS MEYER, CEIBS, Shanghai

Günstige Gelegenheiten, langfristige Ziele

Der Wirtschaftswissenschaftler Klaus Meyer, Professor an der China European International Business School (CEIBS) in Shanghai, erwartet deutliche Auswirkungen des schwachen Euro auf das Engagement von Investoren aus China in Deutschland. Meyer führt den Effekt dabei vor allem auf das langfristige Denken hinter den Investments chinesischer Unternehmen zurück. „Chinesen investieren typischerweise in Technologie und wollen von den Deutschen lernen“, erklärt Meyer. „Da der langfristige Wert der Investition unverändert bleibt, ist es attraktiver, jetzt die Möglichkeit zu nutzen und zu einem günstigen Wechselkurs einzusteigen.“ Darin unterscheide sich die Motivation der Chinesen von anderen internationalen Investoren etwa aus den USA, die stattdessen vor allem auf die Umsatzentwicklung von Übernahmezielen schauten. Auf eine Unternehmensbewertung anhand der Umsätze habe der Wechselkurs dagegen keinen Einfluss. Denn mit einem fallenden Euro sinke nicht nur der Übernahmepreis, sondern gleichzeitig auch der Wert der Umsatzerlöse des Zielunternehmens in Europa. Meyer führt die Übernahme des italienischen Autoreifenherstellers Pirelli durch ChemChina im März dieses Jahres als Beispiel für das langfristige Denken chinesischer Investoren an: „Aufgrund dieser Motivation sehen die Chinesen den günstigen Euro als Sonderangebot.“ Seine Schwäche mache die Akquisition von Technologie und anderen Kompetenzen günstiger, die chinesische Unternehmen in Deutschland und Europa langfristig erwerben wollen.

Den größten Einfluss hat zurzeit die Stärke des Renminbi. – MICHAEL FLORIAN RANFT, Leiter China Group, Taylor Wessing

Figure 6 Wechselkurs EUR/CNY

Neue Branchen im Visier

Stimmen aus der Praxis bestätigen die Argumente des CEIBS-Wissenschaftlers. „Den größten Einfluss auf das M&A-Geschäft hat zurzeit die Stärke des Renminbi“, sagt Michael-Florian Ranft, Leiter der China Group bei der internationalen Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing. „Es ist damit zu rechnen, dass die chinesische Industrie die Stärke des Yuan nutzen wird, um sich im Ausland stärker zu engagieren.“ Man erkenne bei chinesischen Mandanten eine starke Entschlossenheit, in Deutschland und Westeuropa mehr zu akquirieren. Allerdings gibt Ranft zu bedenken, dass die deutsche Wirtschaftsstruktur mit ihren vielen kleinen und mittleren Unternehmen die Partnersuche erschwere. Einen positiven Einfluss des Wechselkurses sieht auch Henry Chow aus dem Shanghaier Büro des internationalen Private-Equity-Unternehmens Bridgepoint. „Im Vergleich zu vor einem Jahr ist in Renminbi gerechnet alles billiger“, sagt Chow. Der M&A-Profi ist ein Urgestein der Branche und war unter anderem bei dem bahnbrechenden Verkauf der Laptop-Sparte des US-Elektronikriesen IBM an den chinesischen Computerhersteller Lenovo beteiligt. Den schwachen Euro sieht Chow nun als Treiber chinesischer Auslandsinvestitionen. „Wir sehen definitiv einen Trend, dass chinesische Investoren der Idee von Übernahmen in Europa offener gegenüberstehen.“ Neben dem technologiestarken deutschen Mittelstand mit seinen Maschinenbauern und Automobilzulieferern erscheinen dabei weitere Branchen als interessante Ziele. Ranft erwartet aufgrund der chinesischen Wirtschaftsplanung auch Beteiligungen im deutschen Gesundheitssektor und der Umwelttechnologiebranche. Angesichts der chinesischen Alterspyramide und medizinischen Unterversorgung müsse die Regierung das Gesundheitswesen verbessern und modernisieren. Auch Luft- und Wasserverschmutzung sowie Abfallbeseitigung erforderten Investitionen in den Umweltschutz. „Dafür bedarf China des Zugangs zum Sachverstand, zur Erfahrung und zur Entwicklung des Westens“, sagt Ranft.

Im Vergleich zu vor einem Jahr ist in Renminbi gerechnet alles billiger. – HENRY CHOW, Member of the European Advisory Board, Bridgepoint

Privatunternehmen auf dem Vormarsch

Chinas Staatsunternehmen sind bisher eine Stütze des deutsch-chinesischen M&A-Geschäfts. So schlug der Pekinger Rüstungs- und Flugzeugkonzern Avic gleich mehrmals im deutschen Mittelstand zu. Bereits 2010 stieg das Unternehmen bei dem Zementmaschinenspezialisten KHD Humboldt Wedag ein. Zuletzt übernahm Avic im vergangenen Sommer den ostdeutschen Automobilzulieferer Koki Technik Transmission Systems. Die Antikorruptionskampagne der neuen chinesischen Regierung aber bremst nach Einschätzung einiger Experten die Übernahmeaktivitäten staatlicher Unternehmen. „Chinas Staatsunternehmen dürften erstmal eine Pause bei den Auslandsakquisitionen einlegen“, erwartet Carsten Klante von Plumbohm & Co. Corporate Finance Consulting. Angesichts der Transparenzoffensive der Regierung vermeiden viele Manager demnach alles, was Aufmerksamkeit erregen könnte. Dennoch gibt es nach wie vor einzelne spektakuläre Deals von staatlichen Gesellschaften, wie gerade auch die Übernahme von Pirelli durch den Staatskonzern ChemChina für über 7 Mrd. EUR belegt. Insgesamt aber sind die Privatunternehmen im M&A-Markt auf dem Vormarsch. Laut einer Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG legte der Anteil der chinesischen Privatunternehmen am globalen Volumen chinesischer Outbound-Transaktionen innerhalb von fünf Jahren von 10% auf über 40% zu. Nicht zuletzt, weil sich die privaten Investoren auch an immer größere Deals heranwagen. Hinzu kommen in den letzten Jahren auch Private-Equity-Investoren wie Fosun. Für Wirbel sorgte die Gesellschaft mit der Übernahme des portugiesischen Versicherungsriesen Fidelidade für 1 Mrd. EUR Anfang 2014. Fosun ist auch schon auf dem deutschen Markt aktiv. Letztes Jahr erwarb die Beteiligungsgesellschaft für 87 Mio. EUR einen Anteil von 23% am Modehaus Tom Tailor, an der BHF-Bank beteiligte man sich mit 19%.

Bei Inbound-Deals sind die Anfragen aktuell um circa 30% gesunken. – ULRICH PLUMBOHM, Chairman, Plumbohm & Co.

Figure 7 Chinesische Outbound-Investitionen in Europa

Deutsche Unternehmen bei Inbound-Übernahmen zurückhaltend

Während das Währungsgefälle zwischen Euro und Renminbi chinesische Übernahmen in Deutschland beflügelt, bremst es die M& A-Aktivitäten deutscher Unternehmen in China. Die Wechselkursentwicklung ist aber nicht der Hauptgrund, warum sich deutsche Unternehmenskäufer im Reich der Mitte zurückhalten. Dennoch wirken diese Effekte als Bremse. „Bei Inbound-Deals nach China sind die Anfragen aktuell um circa 30% gesunken“, berichtet Ulrich Plumbohm, Chairman von Plumbohm & Co. in Shanghai. Das aktuelle Wechselkursverhältnis sollte sich nach Einschätzung von Plumbohm aber in sechs bis zwölf Monaten wieder auf ein vernünftiges Niveau einpendeln, da sich die wirtschaftliche Erholung im Euroraum fortsetzen werde und China einen drastischen Rückgang seiner Exporte nach Europa nicht langfristig zulassen könne. Bis dahin ist die Auswirkung aber deutlich zu sehen. „Die Schwäche des Euro hat die Preise für Übernahmen in China aus deutscher Sicht um 20% bis 25% in die Höhe getrieben“, sagt Plumbohms Managing Partner Carsten Klante. Zwar sei der Währungskurs nicht das einzige Argument bei strategischen Deals, er zügele aber erstmal die Phantasie. Das bestätigt auch Jonathan Zhou, der in Shanghai die Niederlassung des Private-Equity-Hauses Bridgepoint leitet: „In Bezug auf die Inbound-Investments in China werden die europäischen Unternehmen durch den schwächer werdenden Euro Gegenwind verspüren.“

Die europäischen Unternehmen werden durch den Euro Gegenwind verspüren. – JONATHAN ZHOU, Director Shanghai Office, Bridgepoint

Chinas Binnenmarkt wird attraktiver

Betroffen von der Kursbremse sind generell deutsche Unternehmen, die mit ihren China-Investments aus China heraus exportieren wollen. Wer dagegen auf den chinesischen Binnenmarkt abzielt, kann das Währungsthema gelassen sehen. Denn der starke Renminbi verteuert nicht nur die Übernahmepreise und Betriebskosten, sondern wertet auch die mit chinesischen Kunden erzielbaren Umsätze auf. Die Konzentration auf Chinas boomenden Binnenmarkt ist nicht nur währungstechnisch opportun, sondern liegt auch aus handfesten strukturellen Gründen auf der Hand. „China will den Binnenkonsum stärken, gleichzeitig wächst die Kauflust der chinesischen Verbraucher“, sagt Horst Löchel, Professor für Volkswirtschaft an der Frankfurt School of Finance & Management. Löchel hat lange in China gelehrt und geforscht. Der Nachholbedarf der Konsumenten dort sei immer noch riesig. Wer als Konsumgüterhersteller von der enormen Nachfrage in China profitieren wolle, muss aus Sicht von Löchel vor Ort sein. Die Erschließung des Marktes über eine eigene Niederlassung und der Aufbau von Vertriebsnetzen sind dabei oft sehr langwierig. Nach Löchels Ansicht sollten Unternehmen sich in Form einer Übernahme den Marktzugang verschaffen. Das gehe schneller als der mühsame Aufbau neuer Kapazitäten.

China will den Binnenkonsum stärken. – PROFESSOR HORST LÖCHEL, Frankfurt School of Finance & Management

FAZIT

Der günstige Wechselkurs des Euro ist derzeit ein treibender Faktor für die Übernahmeaktivitäten chinesischer Unternehmen in Deutschland und Europa. Viel grundlegender aber ist, dass die deutschen Mittelständler mit ihren spezialisierten Technologien, ihren Fachkräften und Know-how sowie ihrem Marktzugang für die Investoren aus dem Reich der Mitte auch auf lange Sicht attraktiv sind. Hinzu kommt die massive staatliche Unterstützung für Outbound-Investments. Beides zusammen bestimmt letztendlich den Wachstumstrend der chinesischen M&A-Aktivitäten, die 2014 mit 331 Übernahmen im Ausland, darunter 36 in Deutschland, einen neuen Rekord erreichten. Begrenzend wirkt hierzulande lediglich die Schwierigkeit für chinesische Investoren, das passende Angebot an Zielunternehmen zu finden.

Wisco Tailored Blanks – nahtlos zusammengeschweißt

ThyssenKrupp gilt als Pionier der Tailored-Blanks-Technologie zur Herstellung maßgefertigter Blechplatinen für die Automobilindustrie. Doch 2011 beschloss der deutsche Konzern den Verkauf des Geschäftsbereichs. Mit der Wuhan Iron and Steel Corporation fand sich ein zukunftsorientierter Interessent, aber auch ein zäher Verhandlungspartner. VON NORBERT HOFMANN

Schon der Name weist darauf hin, dass es um Maßarbeit geht. Tailored Blanks wurden ab Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts von ThyssenKrupp entwickelt, um maßgeschneiderte Blechplatinen aus Werkstoffen unterschiedlichster Beschaffenheit herzustellen. Durch das Zusammenschweißen mittels Laserstrahlen entstehen dabei breitere Bleche, als sie die früher üblichen Schweißverfahren erzeugen konnten. Neben den breiten Blechplatinen gehört heute auch das Zusammenschweißen aus schmaleren Stahlbändern abgerollter und zu neuen Werkstoffen zusammengeschweißter Bleche zu den Kernprodukten. Zielgruppe ist die Automobilindustrie, die diese Produkte für den Karosserie- und Fahrzeugbau nutzt und dabei aufgrund der maßgeschneiderten Formung der Bleche von Gewichts- und Kosteneinsparungen profitiert. „Wir bieten Leichtbaulösungen aus unterschiedlichen Werkstoffen an, wobei der Schwerpunkt auf Stahl liegt und unsere Zielkundschaft die Automobilindustrie ist. Von daher sehen wir uns nicht als klassische Stahlverarbeiter, sondern als Automobilzulieferer“, sagt Dirk Aikes, Geschäftsführer der Wisco Tailored Blanks Gruppe.

Strategische Neuausrichtung des Alteigentümers

Weil das so ist, wurde Tailored Blanks vor vier Jahren vom damaligen Mutterkonzern ThyssenKrupp nicht mehr als Kerngeschäft identifiziert und im Rahmen eines großen Desinvestitions-programms zum Verkauf gestellt. An Interesse mangelte es nicht: In Frage kamen strategische Investoren ebenso wie Finanzinvestoren. Nach einer ersten Marktsondierung waren in den vom M&A-Bereich des ThyssenKrupp-Konzerns initiierten Auktionsprozess schließlich mehrere Unternehmen involviert. Europäische Hauptwettbewerber wie die Stahlkonzerne ArcelorMittal, Salzgitter und Voestalpine kamen aus strategischer Sicht allerdings nicht in Frage. Russische und US-amerikanische Stahlunternehmen wiederum waren zu dieser Zeit mit der Stabilisierung ihres Stammgeschäfts beschäftigt und sahen Europa zudem nicht als Kernmarkt. In die engere Wahl fiel deshalb der Verkauf an ein chinesisches Unternehmen. Einer der potenziellen Kandidaten wäre laut Aikes das Joint Venture Tagal von ThyssenKrupp mit der chinesischen Angang Steel gewesen. Das Joint Venture, das mit der Herstellung von hochwertigen feuerverzinkten Feinblechen in einem verwandten Produktionsbereich tätig ist, hatte jedoch nicht rechtzeitig die Genehmigung der chinesischen Behörden für die Teilnahme am Auktionsprozess eingeholt.

Wisco war ein zuverlässsiger Verhandlungs-partner. – DIRK AIKES, Geschäftsführer, Wisco Tailored Blanks

Wisco greift zu

Schneller als Tagal war die Wuhan Iron and Steel Corporation (Wisco). Die 1958 gegründete Wisco gehört mit mehr als 80.000 Mitarbeitern und einem Umsatz 89,6 Mrd. RMB (13,1 Mrd. EUR) im Jahr 2013 zu den traditionsreichsten Stahlproduzenten in China und auch zu den weltweit größten Stahlherstellern. Als großes Staatsunternehmen, das direkt der zentralen State-owned Assets Supervision and Administration Comission (SASAC) untersteht, hatte Wisco die Rückendeckung der chinesischen Regierung. Ein wichtiges Motiv für den Wuhaner Konzern war die Diversifizierung in höherwertige Geschäftsfelder. Denn im Bereich der normalen Eisen- und Stahlproduktion boten sich angesichts eines schon damals bestehenden Überangebots auf dem chinesischen Markt keine attraktiven Perspektiven mehr. „Im Laufe des Auktionsprozesses hat sich unter Berücksichtigung aller Aspekte der Verkauf an Wisco als beste Lösung herauskristallisiert“, sagt Aikes.

Bedürfnis nach Absicherung

Die rund ein Jahr währende Zeitspanne bis zur Vertragsunterzeichnung war von intensiven und komplexen Gesprächen geprägt, in denen eine ganze Reihe besonderer Herausforderungen zu bewältigen war. „Viele Details und Formalien, die bei westlichen Transaktionen zum Standard gehören, müssen bei Verträgen mit in solchen Akquisitionen nicht erfahrenen chinesischen Investoren erst verhandelt werden“, sagt Dr. Michael Krömker, Partner bei der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft, der über große Erfahrung bei M&A-Verhandlungen zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen verfügt. Er verweist zudem darauf, dass bei deutschen Verkäufern oftmals Unsicherheiten bezüglich des Einhaltens der im Kaufvertrag fixierten Bedingungen bestehen. Es werden deshalb häufig umfangreiche Schutzmechanismen vereinbart, u.a. auch Garantien, die bei den beteiligten Banken – beispielsweise im Fall einer nicht eingehenden Zahlung – realisiert werden können. Auch beim Verkäufer ThyssenKrupp Steel Europe gab es ein starkes Bedürfnis, Vorkehrungen zur Absicherung zu treffen.

Verkauf mit Standortgarantie

Viele Vorurteile haben sich nicht bewahrheitet. „Wisco war zwar ein herausfordernder, aber letztendlich auch ein zuverlässiger Verhandlungspartner“, resümiert Geschäftsführer Aikes. Insbesondere mit Blick auf den Erhalt von Standort und Arbeitsplätzen hat die chinesische Seite sogar große Zugeständnisse gemacht. In einem Best-Owner-Agreement wurde ausdrücklich vereinbart, dass es innerhalb einer Zeitspanne von fünf Jahren keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird und der Standort in Deutschland in dieser Zeit erhalten bleibt. In der Regel werden solche Jobgarantien allenfalls für einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren gegeben. „Chinesische Käufer aber lassen sich stärker auf diese Themen ein, weil sie langfristig orientiert sind und zudem als Investor um Vertrauen werben wollen“, sagt Rechtsanwalt Krömker. Umgekehrt musste auch die deutsche Seite auf bestimmte Vorstellungen Rücksicht nehmen. So wird bei M&A-Transaktionen üblicherweise im Land des Targets verhandelt. Da aber Investoren aus China viel Wert auf Augenhöhe zwischen den Verhandlungspartnern legen, fanden die Gespräche zur Tailored-Blanks-Transaktion abwechselnd in beiden Ländern statt. „Das macht das Ganze dann aber auch viel aufwendiger“, sagt Krömker.

Chinesische Käufer wollen als Investor um Vertrauen werben. – DR. MICHAEL KRÖMKER, Partner, Luther Rechtsanwaltsgesellschaft

Integration in den Mutterkonzern

Nach dem im August 2013 erfolgten Closing der Transaktion hat nun die neue Zukunft für Wisco Tailored Blanks begonnen. Dazu gehört es, in der Kommunikation immer wieder einmal sprachliche Hürden zu bewältigen und sich an die Eigenheiten eines chinesischen Konzerns zu gewöhnen. Aktuell beispielsweise erstellt das Unternehmen einen Fünfjahresplan, der bei westlichen Firmen absolut unüblich ist. „Wir werden andererseits aber auch langsam und behutsam in den Konzern eingebunden“, betont Aikes die positiven Seiten der Anpassung. Zu dieser Einbindung wird es auch gehören, dass neben den jetzt noch vorwiegenden Zulieferungen von ThyssenKrupp künftig verstärkt Stahl vom neuen Mutterkonzern bezogen werden soll.

Ausblick

Wisco Tailored Blanks will die Marktposition in China stark aufbauen und gleichzeitig das Geschäft in Europa stabilisieren. „Der neue Eigentümer hat zudem eine große Investition in die Produktion genehmigt, die unter dem Dach von ThyssenKrupp so nicht zustande gekommen wäre“, sagt Aikes. Auch Befürchtungen hinsichtlich einer möglicherweise ablehnenden Haltung der Kunden haben sich nicht bestätigt. Im Gegenteil: Die deutschen Automobilhersteller freuen sich darüber, dass nun ein chinesisches Unternehmen für mehr Wettbewerb sorgt, der ihnen entgegenkommt.

Figure 8 KURZPROFIL

„China ist bereits ein Nettokapitalexportland“

Im vergangenen Herbst eröffnete das chinesische Handelsministerium in Frankfurt das zweite europäische Büro der China Investment Promotion Agency (CIPA). Direktor Zhang Kun erläutert, was deutsche und chinesische Unternehmen bei Cross-Border-M&A-Transaktionen noch verbessern können. INTERVIEW STEFAN GÄTZNER

Unternehmeredition: Welche chinesischen Unternehmen unterstützt die CIPA bei Investments in Deutschland vornehmlich?

Zhang Kun: Unsere Aufgaben beziehen sich auf beide Richtungen. Wir entwickeln Services für das „Going Out“ der chinesischen Unternehmen und unterstützen gleichfalls deutsche Unternehmen bei der Erschließung des chinesischen Marktes und der Suche nach Kooperationspartnern. Die Services richten sich auf der einen Seite an Großund Staatsunternehmen und auf der anderen Seite gleichzeitig an die vielen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und an Privatbetriebe. In der nächsten Zeit wird ein Schwerpunkt unserer Arbeit auf dem Aspekt des Matchmaking zwischen KMU beider Länder liegen.

Welche Unternehmen aus China sind hier besonders aktiv?

Alle chinesischen Unternehmen mit einer starken Position – ob es nun Unternehmen im staatlichen oder im privaten Besitz sind – sind bereits im Ausland und loten dort die Möglichkeiten aus. In ihren Plänen für die nähere Zukunft stellen grenzübergreifende Investitionen eine Hauptentwicklungsrichtung dar. Im Zusammenhang mit dem raschen Anstieg der chinesischen Auslandinvestitionen in den letzten Jahren erregte speziell die stürmische Entwicklung der Outbound-Investitionen der Privatunternehmen große Aufmerksamkeit. Insbesondere im Jahr 2014 explodierte das Wachstum der Overseas-Investments durch chinesische Privatbetriebe geradezu.

In welchen konkreten Bereichen benötigen diese chinesischen Unternehmen die Services von CIPA?

Mit der sich weiter intensivierenden Globalisierung wird die Notwendigkeit zu grenzüberschreitendem Handelsaustausch und Investitionspartnerschaften immer dringlicher. Jedoch stehen chinesische Unternehmen beim Markteintritt in Deutschland vor bedeutenden Problemen: Ihre Verbindungen ins Ausland sind begrenzt und sie verfügen über nicht genügend Informationen über den effektiven Bedarf an Investition. Sie sind nicht in der Lage, direkt mit potenziellen deutschen Kooperationspartnern – insbesondere mit der großen Zahl an mittelständischen Unternehmen – effektiv in Kontakt zu treten. Für die Agentur in Deutschland besteht die Hauptaufgabe darin, unter Berücksichtigung der hiesigen Strukturen aktiv auf Branchenverbände, Handelskammern, Industrieparks und Betriebe zuzugehen und Kontakte zu knüpfen. Insbesondere gilt es, den Kontakt zu den zahlreichen „Hidden Champions“ in den einzelnen Branchen, den mittelständischen Unternehmen, zu verstärken. Wir wollen ihnen helfen, den Kooperationsbedarf der chinesischen Unternehmen zu verstehen und somit den chinesischen Unternehmen einen Weg zur Zusammenarbeit bei Investitionen ebnen.

Ein Schwerpunkt unserer Arbeit wird auf dem Matchmaking zwischen KMU beider Länder liegen.

Welche Unterstützung können chinesische Unternehmen noch erwarten?

Beim Markteintritt chinesischer Unternehmen in Deutschland schaffen wir Zugang zu Dienstleistungen in Bereichen wie der Pre-Investment-Analyse, der Standortwahl, der Partnersuche, der Projektbegleitung bis hin zur Vertragsunterschrift oder den Finanzierungswegen. Wir bieten die ganze Palette von Beratungsleistungen an. Darüber hinaus empfehlen wir den Unternehmen Investitionsberater für die entsprechenden Branchen. Wir veröffentlichen regelmäßig Studien zur Investitionsförderung in verschiedenen Branchen und unterstützen chinesische Unternehmen dabei, mit den betreffenden deutschen Branchenverbänden und Experten in Kontakt zu kommen. Wir bieten also den Unternehmen aus China, die nach Deutschland kommen und investieren wollen, branchenspezifische Informationen und Beratung, technische Gutachten und den Aufbau von Kontakten innerhalb der eigenen Branche.

China befindet sich mit seinen ODI insgesamt noch am Anfang.

Die Outbound Direct Investments (ODI) sind dabei, die ausländischen Direktinvestitionen in China zu überholen. Wie beurteilen Sie die derzeitige Situation?

Im vergangenen Jahr lagen Chinas ODI über alle Branchen hinweg bei 116 Mrd. USD. Wenn man noch Reinvestitionen aus Drittgebieten berücksichtigt, dann sollte sich das ODI-Volumen 2014 auf etwa 140 Mrd. USD belaufen. Das sind ungefähr 20 Mrd. USD mehr als das von China genutzte Auslandskapital. Dies macht deutlich, dass Chinas reale ODI im Jahr 2014 schon den Umfang des genutzten Kapitals aus dem Ausland übertrafen. Damit ist China bereits zu einem Nettokapitalexportland geworden. Bis die Outbound-Investitionen das Volumen des Zuflusses an ausländischem Kapital übertreffen würden, war nur eine Frage der Zeit.

Wie sehen Sie die künftige Entwicklung der ODI?

China ist in einer Phase der Kapitalakkumulation nach 30 Jahren Entwicklung weit vorangekommen. Die Unternehmen erlangen immer mehr die Fähigkeiten zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb. Gleichzeitig haben sich die Faktoren bei den verschiedensten Ressourcen in China verändert. Dies alles zusammen bedingt, dass China nunmehr bereits bei einer Phase des Kapitalexports angelangt ist. Ich schätze, das mit der beschleunigten Umsetzung und Implementierung der „Going Out“- und der „One Belt one Road“-Strategie das Wachstum der Auslandsinvestitionen noch an Geschwindigkeit zulegen wird. Allerdings ist China mit seinen ODI relativ spät dran und befindet sich insgesamt gesehen noch am Anfang. Das Gesamtvolumen der chinesischen Auslandsinvestitionen ist im Vergleich zu entwickelten Ländern wie den USA, der EU und Japan noch relativ gering. Das macht deutlich, dass wir im Bereich der Führung und Förderung der chinesischen Unternehmen zur Entwicklung einer noch besseren Zusammenarbeit bei Investitionen im Ausland noch viel zu tun haben.

Wo sehen Sie noch Raum für Verbesserungen bei M&A-Transaktionen zwischen chinesischen und deutschen Unternehmen?

Was die chinesischen Unternehmen betrifft, so sollten sie vor allem auf die Due Diligence im Vorfeld der Investitionen mehr Wert legen und diese intensivieren. Es ist empfehlenswert, spezialisierte Anwaltskanzleien, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer heranzuziehen, um sich einen vollständigen Überblick über das Target zu verschaffen. Sie sollten Wert auf den Rat, die Meinung und die Hilfe von Corporate-Finance-Spezialisten und Investmentbanken legen und mit einer internationalen Sichtweise Overseas-Investments planen und umsetzen. Demgegenüber sollten auch die deutschen Unternehmen im M&A-Prozess die Einstellung des chinesischen Investors und die spezifische chinesische Kultur ausreichend verstehen, um Hindernisse kommunikativer und kultureller Art abzubauen. Insbesondere sollten sie den aus der Vergangenheit stammenden Blick auf chinesische Unternehmen und Unternehmer sowie die bestehende Einstellung als Alteingesessene ändern, sodass beide Seiten auf der Grundlage von Gleichberechtigung und Vertrauen gemeinsam die Zusammenarbeit voranbringen können.

Mit welchen deutschen Institutionen, Verbänden und Organisationen arbeiten Sie hier vor Ort zusammen?

Vor uns liegt eine Periode voller goldener Gelegenheiten in der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Politik, Wirtschaft und der strategischen Entwicklung. Um diese Gelegenheiten beim Schopf zu packen und gemeinsam den Unternehmen der beiden Länder zu dienen, wollen wir den Kontakt – angefangen vom Bund über die Länder bis hin zu den Gemeinden – zu Regierungsinstitutionen, Investmentagenturen, Industrie- und Handelskammern, Branchenverbänden und Industrieparks weiter intensivieren, dies umfasst auch die Germany Trade and Invest und den Deutschen Industrie- und Handelskammertag.

Was werden Sie konkret tun?

Wir werden regelmäßig mit den verschiedenen Organisationen gemeinsame Investitionsförderungskonferenzen abhalten und eine hocheffiziente High-End-Plattform für einen zielführenden Austausch und das Matchmaking aufbauen. Wir werden dazu die bilateralen Kanäle und unser professionelles Netzwerk einsetzen und integrieren. In erster Linie werden wir eine gemeinsame Konferenz abhalten und eine Reihe von Schwerpunktprojekten durchführen sowie eine Branchenstudie veröffentlichen. Zudem werden wir ausgewählte positive Resultate der Zusammenarbeit in den Mittelpunkt stellen. Wir werden die Entwicklung von Investitionen, Übernahmen und Beteiligungen in beiden Richtungen zwischen Deutschland und China unterstützen und voranbringen. Wir bieten Services für deutsch-chinesische Industrieparks und die internationale Zusammenarbeit von KMU.

In welchen Bereichen betreiben Sie Matchmaking zwischen chinesischen und deutschen Unternehmen?

Wir haben stets deutsch-chinesische Joint-Venture-Projekte oder M&A-Transaktionen im Auge und bemühen uns nach Kräften, umfassende Services zu bieten. Mit Blick auf den Schwerpunkt der Investitionskooperation zwischen chinesischen und deutschen Unternehmen legen wir den Fokus auf Qualität und konzentrieren uns auf Gebiete wie den Anlagenbau im High-End-Bereich, Pharma und Chemie sowie Hightech. Für chinesische Unternehmen, die auf der Suche nach Übernahme- oder Beteiligungsmöglichkeiten nach Deutschland kommen, bieten wir Information und Beratung zu den regulatorischen Maßnahmen sowie Support über verschiedene Kanäle. Mit Blick auf den allgemeinen Investitions- und M&A-Trend sowie einzelne Transaktionen mit deutsch-chinesischer Beteiligung laden wir die betreffenden Vermittler und Berater dazu ein, in Form von Präsentationen, Promotion-Events, Diskussionen und Besuchsgruppen das Verständnis und den Austausch auf beiden Seiten im M&A-Prozess zu fördern.

Und was bieten Sie speziell deutschen Unternehmen?

Als einen weiteren Aspekt setzen wir marktorientierte Investitionsservices um: Viele Unternehmen in Deutschland brauchen den Markt und das Kapital aus China. Gestützt auf unser professionelles Netzwerk bauen wir mithilfe der in China bestehenden Messen und Konferenzen für Handel und Investition, den Dialogveranstaltungen von Entwicklungszonen mit internationalen Konzernen sowie mithilfe des Projektpools des MofCom für die Investitionen deutscher Unternehmen in China eine Plattform des Austauschs und der Zusammenarbeit auf. Wir bieten Services im Bereich der Finanzierung und des Projekt-Matchings und helfen ihnen, China besser zu verstehen und dort zu investieren. Herr Zhang, vielen Dank für das Inter view.

ZHANG Kun ist Europa-Chefrepräsentant der CIPA und leitet die China International Investment Promotion Agency (Germany) in Frankfurt. Die CIPA untersteht direkt dem Ministry of Commerce (MofCom) und unterhält neben der deutschen Vertretung noch eine Niederlassung in Ungarn. Die Agentur unterstützt chinesische und einheimische Investoren mit Informationsaustausch und Kontaktanbahnung. Dabei baut sie auf ihr umfassendes Netzwerk. Darüber hinaus bietet die CIPA den Unternehmen logistische und organisatorische Hilfe bei internationalen Messen und Events. Chinesischen Firmen steht sie zudem bei der Wahrung ihrer Rechte zur Seite. www.cipa.gov.cn

Autefa – mit chinesischem Investor auf Expansionskurs

Oft genug stößt der Einstieg eines chinesischen Investors auf Bedenken in deutschen Unternehmen. Auch Geschäftsführer Dr. Stefan Schlichter plagten Zweifel, als Autefa Solutions im September 2011 von der Hi-Tech Group übernommen wurde. Doch die Übernahme entwickelte sich ganz anders als erwartet. VON THOMAS MÜNCHER

Autefa Solutions ist eine Gruppe von fünf Investitionsgüterherstellern, die im Textilmaschinenbau und der Automatisierung tätig sind. Zur Produktpalette gehören Anlagen zur Herstellung von „nonwovens“ (nicht gewebte Textilien wie Flies oder Filz), Faser- und Ballenpressen sowie Automatisierungslösungen. Der Hauptsitz des Unternehmens mit Standorten auf drei Kontinenten befindet sich im oberbayerischen Friedberg: Von dort werden die weltweiten Aktivitäten des Maschinenbauers gesteuert. Seit knapp vier Jahren haben Chinesen das Sagen bei dem traditionsreichen Textilmaschinen- und Sonderanlagenhersteller. Am 1. September 2011 wurde Autefa von der chinesischen China Hi-Tech Group (CHTC) übernommen. Der staatliche Konzern gilt als zweitgrößter Textilmaschinenlieferant der Welt.

Wachsende Märkte in China

Bis dahin gehörte die Autefa Solutions Group zum Schweizer Industriekonzern Oerlikon Neumag. Der Spezialist für Maschinen- und Anlagenbau wollte sich aber auf seine Kerngeschäfte fokussieren und trennte sich von Standorten, die auf Anlagen und Teile für die Vliesstoffproduktion spezialisiert waren. Die wachsende Bedeutung des chinesischen Marktes bei Spezialmaschinen für die Vliesstoffproduktion machte den Kauf für CHTC interessant. Ein zweiter wichtiger Grund: Die Chinesen wollten mit ihren Neuerwerbungen auf dem europäischen Markt präsenter sein. Von besseren Geschäften in Europa verspricht sich Firmenchef Zhang Jie Synergieeffekte. Die neuen europäischen CHTC-Standorte bilden jetzt eine eigenständige Geschäftseinheit. Autefa Solutions Germany GmbH ist eine von zwölf Tochtergesellschaften und über 90 weiteren CHTC-Beteiligungen. Im Bereich Textilmaschinenbau arbeiten 20.000 Mitarbeiter, konzernweit sind es 70.000. Neben Textilmaschinen werden auch Klein-LKW und Textilien hergestellt.

Erweiterung der Produktpalette

Die Folgen der Übernahme waren für Autefa überwiegend positiv: Zunächst standen die Kosten auf dem Prüfstand: „Notwendige Restrukturierungen wurden eingeleitet und zum Großteil auch abgeschlossen“, sagt Christian Egger, CFO bei Autefa Solutions. „2014 hat die Gruppe ein positives Ergebnis erzielt und für 2015 ist die Auftragslage zufriedenstellend.“ Das Wachstum hat sich seitdem stark beschleunigt, zudem konnte die Expansion solide und ohne externe Geldgeber finanziert werden. Auf diese Weise ist in den vergangenen dreieinhalb Jahren der Umsatz um über 30% und die Zahl der Mitarbeiter am heimischen Standort um 60 auf 150 Personen gestiegen. Mit dem Einstieg von CHTC konnte sich Autefa nicht nur lokale chinesische Märkte erschließen. „Es gab auch neue Möglichkeiten für Beschaffung und Produktion“, sagt Egger.

Mehr Arbeitsplätze am Stammsitz

Außerdem wurde das eigene Produktangebot ausgebaut. 2014 übernahm der bayerische Maschinenbauer Lizenzen und Markenrechte der insolventen Strahm Hi-Tex Systems AG in der Schweiz. Strahm hat sich auf die Herstellung thermisch verfestigter Vliese spezialisiert, die zum Beispiel als Türverkleidungen im Automobilbau oder für Windeln verwendet werden. „Wir decken jetzt alle Bereiche ab“, freut sich Schlichter über die neue Schweizer Tochtergesellschaft. Von den 40 Strahm-Mitarbeitern wurden zwölf von den Bereichen Entwicklung und Vertrieb übernommen. Wegen der hohen Lohnkosten der Schweiz wurde die Produktion nach Friedberg verlagert, wodurch dort 15 neue Arbeitsplätze entstanden sind. Nicht nur in der Schweiz hat Autefa seit der Übernahme neue Standorte: „Weitere Neugründungen gab es in China und den USA“, berichtet Egger.

Neue Maschinen für Produktion und Recycling

Daneben hat Autefa seit 2011 weitere Geschäftsfelder erschlossen, zum Beispiel im Bereich des Carbon-Recyclings. Bei der Verarbeitung des hochfesten und superleichten Verbundstoffs fallen große Mengen überschüssigen Materials an. Als Spezialist für „nonwovens“ hat der Maschinenbauer dafür ein eigenes Verfahren entwickelt: Autefa baut Sondermaschinen für Produktion und Recycling von Composites, vor allem in Verbindung mit Carbonfasern. Solche Verbundwerkstoffe besitzen gegenüber den Ausgangsstoffen bessere Eigenschaften wie höhere Elastizität. Sie können zum Beispiel Stahl ersetzen, wenn Korrosion vermieden werden soll. Allerdings wurde nicht nur die Produktpalette erweitert: „Wir fokussieren uns auf den After-Sales Service und Ersatzteil-Verkauf, um die Profitabilität zu steigern“, erläutert Egger.

Vor allem im Automatisierungsbereich wollen wir wachsen. – CHRISTIAN EGGER, CFO, Autefa Solutions Germany GmbH

Intensiver Austausch im Konzern

Nicht zuletzt spielt die Kommunikation mit der chinesischen Mutter eine wichtige Rolle. „Regelmäßige Besuche bei CHTC sind geplant“, betont Egger: „Neben einem monatlichen Reporting treffen wir uns auch mit den vielen Schwesterfirmen, um die Zusammenarbeit zu verbessern. Und der weitere Geschäftsführer Jianwang Lin intensiviert den Austausch mit CHTC.“ Der rege Austausch lässt weitere Expansionspläne reifen: Möglichst noch in diesem Jahr soll der Friedberger Businesspark erweitert werden, um neue Unternehmensbereiche anzusiedeln. „Hier realisieren wir Kreuzleger, Ballenpresser und Automatisierungsprojekte“, sagt Egger. „Damit wollen wir in den nächsten fünf Jahren im Umsatz deutlich zulegen. Vor allem im Automatisierungsbereich wollen wir wachsen“, kündigt Egger an. Geplant ist zudem ein Global Research Center für den Mutterkonzern.

FAZIT

CHTC baute sich mit der Übernahme von Autefa einen neuen Brückenkopf zur Expansion in Europa. Für den deutschen Textilmaschinenhersteller brachte dies nach einer Restrukturierungsphase eine deutliche Verbesserung der Perspektiven. Nicht nur generiert das Unternehmen wieder starkes Umsatzwachstum und schafft neue Arbeitsplätze, sondern es tritt auch schon wieder selbst bei Übernahmen auf der Käuferseite auf.

Figure 9 KURZPROFIL

Goldin übernimmt Gigaset – eine Fallanalyse

Für die meisten chinesischen Unternehmen ist die Strukturierung und erfolgreiche Durchführung einer M&A-Transaktion im Ausland nach wie vor Neuland. Die professionelle Begleitung durch einen erfahrenen M&A-Berater ist daher für einen reibungslosen Prozess ausschlaggebend. VON JOHANNES H. LUCAS UND DR. JUNYANG SHAO 

Dank der starken Industriebasis, der fortgeschrittenen Technologie, des freundlichen Investitionsumfeldes sowie Markenbekanntheit ist Deutschland seit Jahren hinter England nach Investitionsvolumen das zweitgrößte M&A-Zielland chinesischer Investoren in Europa. Eine Auswertung von 89 M& A-Transaktionen unter Beteiligung chinesischer Investoren in Deutschland aus den Jahren 2011 bis 2014 zeigt, dass klassische Industriezweige wie Industrials und die Automobilzuliefererindustrie, aber auch Informationstechnologie im Fokus chinesischer Investoren standen und stehen (Abb. 1).

Häufig noch Neuland

Mit stetiger Zunahme der Outbound-Investitionen nach Deutschland in den letzten Jahren konnte ein Teil der chinesischen Investoren auch seine Expertise und seinen Erfahrungsschatz in Bezug auf Cross-Border-M&A-Transaktionen ausbauen. Jedoch ist für die meisten chinesischen Unternehmen die Strukturierung und erfolgreiche Durchführung einer M&A-Transaktion nach wie vor Neuland. Die Erfahrung zeigt, dass vor allem in Bezug auf die Transaktionsdynamik Cross-Border-Transaktionen mit chinesischer Beteiligung ganz eigene Charakteristika aufweisen. Für viele chinesische Investoren, insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen mit geringer internationaler Erfahrung, ist das frühzeitige Vermitteln von Transaktionsmechanismen und deren Zusammenhängen, vor allem in Bezug auf Bewertungsmethodik und regulatorische Anforderungen, entscheidend. Zudem verlangt ein Transaktionsprozess mit chinesischer Beteiligung meistens mehr Zeit und Geduld. Aufgrund unterschiedlicher Ausgangspunkte, Ziele, Denk- und Herangehensweisen sowie Sprachbarrieren gestaltet sich der Dialog zwischen den involvierten deutschen und chinesischen Parteien in vielen Fällen deutlich aufwendiger. Eine gute Koordination und professionelle Unterstützung bei der Transaktionsanbahnung und den Verhandlungen ist deshalb besonders wichtig.

Komplexität von Outbound-Transaktionen

Auf Seiten Chinas müssen Direktinvestitionen im Ausland bei den zuständigen Behördenregistriertwerden, einzelneInvestitionen müssen von NDRC, MofCom und SAFE genehmigt werden. Doch auch auf deutscher Seite ergeben sich nicht zu unterschätzende Problemstellungen, insbesondere bei der Übernahme von börsennotierten Gesellschaften. In der M&A-Beratungspraxis ist es daher von größter Wichtigkeit, diese Komplexitäten adäquat zu bewerten und bereits frühzeitig potenzielle Lösungen vorzudenken. Die Investition der Goldin Group in die ehemalige Siemens-Tochter Gigaset AG in den Jahren 2013 und 2014 ist ein gutes Beispiel für die Komplexität einer Ost-West-Transaktion. An diesem Fall lässt sich besonders gut erkennen, wie eine solche Transaktion unter Einbindung eines erfahrenen M&A-Beratungshauses erfolgreich durchgeführt werden kann.

Abb. 1: Chinesische Outbound-M&A-Transaktionen nach Europa (2011-2014) nach Sektoren

Ausgangssituation bei Gigaset

Gigaset, ein Hersteller von schnurlosen Festnetztelefonen, befand sich Mitte 2012 in einer äußerst herausfordernden Situation: Einerseits benötigte das Unternehmen eine Kapitalerhöhung in Höhe von 30 bis 50 Mio. EUR für Restrukturierungsmaßnahmen, Working-Capital-Finanzierung sowie weitere Verwendungszwecke. Andererseits litt die Aktiennotierung der Gesellschaft unter erheblichen Kursverlusten. In diesem schwierigen Kapitalmarktumfeld war eine umfassende Beteiligung der stark fragmentierten Aktionärsbasis an Kapitalmaßnahmen nicht zu erwarten. Darüber hinaus stand das Unternehmen unter zunehmendem Druck der finanzierenden Banken. Diese komplexe und schwierige Ausgangslage machte die Unterstützung durch einen erfahrenen Berater mit umfassender Expertise in den Bereichen M&A und Finanzierung unabdingbar. Acxit Capital wurde beauftragt, Gigaset bei der Sicherstellung der zukünftigen Finanzierung umfassend zu begleiten. Dies beinhaltete unter anderem die Entwicklung einer neuen, ausgereiften Equity Story innerhalb der gesamten Verkaufsdokumentation auf Basis eines Restrukturierungs-Cases, die Herausarbeitung von Transaktionsalternativen und schlussendlich die gezielte Marktansprache und Durchführung des Investorenprozesses. Die wesentliche Stoßrichtung, basierend auf dem neu definierten Geschäftsmodell, stellte dabei primär auf strategische Bieter aus Asien ab. Nach intensiver Analyse wurde unter anderem auch die Goldin Group mit Sitz in Hongkong als interessanter und vielversprechender potenzieller Partner identifiziert.

Ziele der Goldin Group

Die Goldin Group – ein multinationaler Konzern mit Standorten in China, den USA und Europa und wesentlichen Geschäftsaktivitäten in den Bereichen Unterhaltungselektronik, Real Estate und Financial Services – verfolgte durch die avisierte Transaktion primär das Ziel, die Kontrolle über die Marke Gigaset zu erlangen und mit Hilfe der Gigaset-Plattform den Aufbau des eigenen Geschäfts mit Smartphones und Tablets in Europa voranzutreiben. Das hierbei eingebrachte Kapital sollte hingegen nicht ausschließlich für das Altgeschäft oder die Begleichung bestehender Bankverbindlichkeiten verwendet werden. Zusätzliche Komplexität ergab sich nicht nur aufgrund teilweise konträrer Zielsetzungen zwischen der Goldin Group und der Gigaset AG, sondern auch durch die zwingend erforderliche Berücksichtigung von aktien- und kapitalmarktrechtlichen Vorschriften. Die ursprünglich von der Goldin Group angedachten Transaktionsstrukturen (siehe Abb. 2) waren aufgrund entsprechender Vorgaben nur bedingt oder nicht geeignet. Vor diesem Hintergrund war die gemeinsame Entwicklung eines technisch realisierbaren Beteiligungskonzepts, welches die Erwartungen und Ziele aller involvierten Parteien hinreichend berücksichtigt, eine besondere Herausforderung. Hierbei kam insbesondere der transparenten Vermittlung deutscher kapitalmarktrechtlicher Vorgaben sowie der klaren Kommunikation von Vor- und Nachteilen alternativer Transaktionsstrukturen eine hohe Bedeutung zu.

Abb. 2: Vorgeschlagene Transaktionsstrukturen des Investors

Kommunikative Herausforderungen

Um die „gleiche Sprache“ wie der chinesische Investor zu sprechen und ein besseres Verständnis für die Anliegen und Handlungen des Gegenübers zu entwickeln, war es unabdingbar, sich umfassend mit dem Rechtsraum und Kapitalmarktumfeld in Hongkong auseinanderzusetzen. Zudem war der Aufbau von Vertrauen und Sympathie – wie bei allen Transaktionen mit chinesischer Beteiligung – ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg. Persönliche Besuche in China und der gemeinsame Dialog vor Ort in China oder in Deutschland sind hierbei wesentliche Eckpfeiler für den Aufbau einer nachhaltigen Geschäftsbeziehung und den Projekterfolg. Auch im Fall von Gigaset waren verschiedene physische Treffen zwischen den beteiligten Parteien nötig, um den Aufsichtsrat und andere Stakeholder des Mandanten von der geplanten Kapitalerhöhung und den strategischen Vorteilen einer Beteiligung der Goldin Group für Gigaset zu überzeugen. Im Rahmen vielschichtiger gemeinsamer Diskussionen wurde schlussendlich eine mehrstufige Transaktionsstruktur mit verschiedenen Kapitalmaßnahmen final abgestimmt (Abb. 3) und eine Investoren-Vereinbarung abgeschlossen.

Kapitalerhöhungen und Übernahmeangebot

Am 27. September 2013 hat die Gigaset AG mit Zustimmung des Aufsichtsrates beschlossen, ihr Grundkapital im Zuge einer Bezugsrechtskapitalerhöhung zu erhöhen und eine Wandelschuldverschreibung zu begeben. Ein Handel mit Bezugsrechten war nicht vorgesehen. Nach der Investoren-Vereinbarung verpflichtete sich die Goldin Fund Pte. Ltd. (Singapur) gegenüber der Gigaset AG, alle von den Aktionären nicht bezogenen neuen Aktien und Wandelschuldverschreibungen unter Bedingung eines mittelbaren Anteilsgewinns von mindestens 30% der Stimmrechte zu übernehmen(alsBeteiligungsbedingung). Unter derselben Bedingung erklärte sich die Goldin Fund auch dazu bereit, erheblich in die Entwicklung des neu aufzubauenden Geschäftsfeldes Gigaset Mobile zu investieren. Die Goldin Fund verpflichtete sich ferner dazu, den Altaktionären ein Übernahmeangebot zum Erwerb sämtlicher Aktien der Gesellschaft zu unterbreiten, wobei ihr das Recht eingeräumt wurde, das Angebot an die Erreichung einer Mindest-Annahmeschwelle zu binden. Darüber hinaus legte die Investoren-Vereinbarung Regelungen hinsichtlich weiterer Kapitalerhöhungen zu späteren Zeitpunkten fest. Ein Überblick über die einzelnen Transaktionsschritte und Kapitalmaßnahmen ist in Abb. 4 (siehe rechts) dargestellt.

Ausblick

Die ausgearbeitete Transaktionsstruktur hat der Goldin Group die stufenweise Übernahme der Gigaset AG durch verschiedene Kapitalmaßnahmen ermöglicht. Durch den Aufbau des Geschäftsbereichs Mobile unter direkter Kontrolle der Goldin Group konnte zudem die zweckgebundene Verwendung des eingebrachten Kapitals von 30 Mio. EUR unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Ziele der Gigaset AG sichergestellt werden. Gigasets Finanzierung ist durch den neuen Großinvestor langfristig gesichert, während der Aufbau neuer zukunftsträchtiger Geschäftsfelder neues Wachstumspotenzial verspricht.

Abb. 3: Final abgestimmte Transaktionsstruktur
Abb. 4: Transaktionsschritte und Kapitalmaßnahmen

„Deutsche Qualität und chinesische Schnelligkeit“

In den vergangenen Jahren wurden die deutschen Solaranbieter von den günstigeren chinesischen Herstellern förmlich überrollt. 2013 musste Conergy Insolvenz beantragen. Der chinesische Wettbewerber Astronergy übernahm gerade noch rechtzeitig das Werk in Frankfurt an der Oder. Die spezifisch chinesische Herangehensweise an die anschließende Post Merger Integration schildert Dr. Lu Chuan. INTERVIEW STEFAN GÄTZNER

Unternehmeredition: Im Februar 2014 übernahm Astronergy, eine Tochtergesellschaft der Chint-Gruppe aus Hangzhou, in Form eines Asset Deals die Produktionsanlagen des deutschen Photovoltaikherstellers Conergy Solarmodule GmbH in Frankfurt an der Oder. Wie haben sich die Geschäfte von Astronergy in Deutschland seitdem entwickelt?

Dr. Lu Chuan: Die übernommenen Anlagen sind zurzeit auf eine Gesamtproduktionskapazität von 300 MW im Jahr ausgelegt. Bei 210 Mitarbeitern disponieren wir mit etwa 180 MW, der tatsächliche Betrieb liegt auch in etwa bei 180 MW im Jahr. Letztes Jahr haben wir etwa 130 MW verkauft. In diesem Jahr ist das Auftragsbuch relativ voll und wir haben die Produktionskapazität auf 240 MW heraufgesetzt. Aufgrund einer Reihe von Faktoren wie dem sinkenden Eurokurs, der Optimierung unserer Lieferanten, den Anti-Dumping- bzw. Anti-Subventionsmaßnahmen in der EU und den USA sowie der Stilllegung der meisten Modulfabriken in Europa schätze ich, dass in der Zukunft die Auftragsbücher unserer deutschen Fabrik extrem gut gefüllt sein werden. Gleichzeitig überlegen wir, einen Teil der Produktion in die USA zu exportieren. Die Ertragssituation wird sich verbessern.

Die neuen politischen Maßnahmen in Deutschland sind eine gute Nachricht.

Im August des vergangenen Jahres beschloss die Bundesregierung abermals eine Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Wie sieht aus Sicht von Astronergy die Zukunft des deutschen Photovoltaikmarktes aus?

Die neuen politischen Maßnahmen in Deutschland sind eine gute Nachricht. Zuvor wurde in Deutschland ein System von Subventionen zu fixen Tarifen angewendet. Im neuen System werden die Strompreise nach einem Bieterverfahren ermittelt, gleichzeitig werden relativ hohe Anforderungen an den Bieter gestellt. Dadurch kann man vermeiden, dass Billiganbieter das System durcheinanderbringen. Dies wird dazu führen, dass der Preisfaktor auf dem deutschen Photovoltaikmarkt einen positiven Gleichgewichtszustand erreicht. Allerdings ist gegenwärtig der Anteil der erneuerbaren Energien in Deutschland bereits ziemlich hoch und die Kapazität des Gesamtmarktes begrenzt. Jedoch bieten andere europäische Länder, einschließlich England und der vier skandinavischen Länder, wo die Sonneneinstrahlung eigentlich nicht besonders gut ist, noch eine Menge an Potenzial.

Wie ist Astronergy im chinesischen und im deutschen Markt positioniert?

Astronergy positioniert sich mit einem starken Preis-Leistungsverhältnis im hochqualitativen Marktsegment. Gleichzeitig konzentrierten wir unsere Kraft auf das Downstream-Geschäft in der Stromerzeugung sowohl für intensive als auch für dezentralisierte Anwendungen. Dementsprechend ist die Fertigung ein Glied in einer verbundenen Wertschöpfungskette. Die Wettbewerbsstärke von Astronergy besteht im Kern in Aspekten wie den Skalenvorteilen bei unseren Solarkraftwerken, der Kostenkontrolle, den Finanzierungsmöglichkeiten sowie der Fähigkeit, umfassende Lösungen anbieten zu können. Die konkurrenzfähigen Herstellungskapazitäten geben Astronergy die Möglichkeit, dem Bedarf an Modulen für Downstream-Kraftwerke in den wichtigsten internationalen Photovoltaikmärkten zu entsprechen. Die Qualitätskontrolle und Effizienzsteigerung sind dabei Kernziele von Astronergy.

Welchen Herausforderungen und Schwierigkeiten sah sich Astronergy bei der Übernahme von Conergy gegenüber?

Da es sich um die Übernahme von Assets handelte, war die Akquisition relativ einfach. Wir hatten nichts mit den Schulden des ursprünglichen Unternehmens zu tun. Jedoch muss laut dem deutschen Insolvenzgesetz bei einer Akquisition von mehr als 30% der Assets die dazugehörige Belegschaft gleichfalls mit übernommen werden. Infolgedessen bestand eine ziemlich große Schwierigkeit in der Frage, ob die Belegschaft einen neuen chinesischen Eigentümer akzeptieren würde und mit welcher Einstellung die Gewerkschaft an den neuen Eigentümer herangehen würde. Ein zentraler Bestandteil unserer damaligen Due Diligence war die Frage, ob es bei den Assets noch andere potenzielle Risiken geben würde und ob nach der Akquisition der Anlagen diese sauber herausgelöst und weiterbetrieben werden könnten. Während des Übernahmeprozesses verlief das entsprechende Genehmigungsverfahren durch die chinesische Regierung hocheffizient und mit außergewöhnlicher Unterstützung von offizieller Seite.

Welche Bedenken hatten die Mitarbeiter und die Gewerkschaft konkret?

Die Akzeptanz durch die Arbeiter und die sowie die Verständigung mit der Gewerkschaft waren die Punkte, welche die höchste Aufmerksamkeit verlangten. Ganz am Anfang war die Gewerkschaft gegen uns eingestellt. Man war unter anderem besorgt, dass wir chinesische Ingenieure in das Unternehmen abordnen und nach und nach die Sozialleistungen abbauen würden. Basierend auf einer breiten Verständigung und gegenseitigem Einvernehmen konnten schließlich die Bedenken bei der Gewerkschaft ausgeräumt werden. Umgekehrt unterstützte sie das Management-Team bei der Umsetzung der Dispositionspläne für die Belegschaft. Gleichzeitig löste die Gewerkschaft einvernehmlich einige Streitpunkte zu Arbeitsfragen mit der örtlichen Arbeitsagentur.

Welche Maßnahmen hat Ihr Unternehmen im Rahmen der Post Merger Integration ergriffen?

Wir haben streng definiert, dass die deutsche Niederlassung als ein rein verarbeitendes Werk positioniert wird. Die Funktionen des Einkaufs, des Marketings und des Vertriebs sind in die Zentrale integriert worden; die Buchführung wird direkt aus China geleitet, das SAP-System ist direkt daran angeschlossen – folglich also die Positionierung der deutschen Niederlassung als ein rein verarbeitendes Werk. Das ist für die Deutschen gut umsetzbar. Deutsche verlassen sich für gewöhnlich auf einen hohen Grad an Automatisierung und IT- Systeme. Sie sind nicht so flexibel und kreativ wie Mitarbeiter in chinesischen Firmen, aber ihre Umsetzungsfähigkeit und die Disziplin sind gut. Daraus folgt: Wenn man nur die Funktionen einer Niederlassung so weit wie möglich vereinfacht, bringt dies am meisten, um die Stärken der deutschen Arbeiter zu Geltung zu bringen. Außerdem wurde der ursprüngliche Geschäftsführer der deutschen Vertriebsgesellschaft von Astronergy mit zum Leiter des Werks ernannt. Er und der vormalige Leiter des Werks fungieren zusammen als Managing Directors.

Gab es personelle Veränderungen?

Bei der ursprünglichen Betriebsbelegschaft gab es keine größeren Anpassungen, daher ging der Werksbetrieb völlig reibungslos weiter und in der Übergangsphase gab es keine bedeutenden Vorfälle. Zur gleichen Zeit überprüften wir den vor der Akquisition ursprünglich für das Werk verantwortlichen Manager und fanden heraus, dass er auf den betriebswirtschaftlichen Bereich spezialisiert und kein technischer Fachmann war. Angesichts der Definition der deutschen Niederlassung ausschließlich als verarbeitendes Werk entsprachen die Qualifikationen dieses verantwortlichen Managers nicht der zukünftigen Unternehmensstrategie. Infolgedessen war eine Anpassung notwendig und er musste das Unternehmen verlassen. Gleichzeitig übernahm der Leiter für Qualitätskontrolle und Technik aus der chinesischen Zentrale die Verantwortung für den laufenden Betrieb. Gegenwärtig verläuft der Werksbetrieb ganz stabil und reibungslos. Deutsche Qualität und chinesische Schnelligkeit gehen dabei eine vollkommene Verbindung ein.

Für die Zusammenarbeit zwischen deutschen und chinesischen Mitarbeitern bedurfte es sicherlich eines gewissen Anpassungsprozesses. Wie bewerten Sie die Kooperationsbereitschaft der Belegschaften beider Länder?

Die deutschen Arbeiter sind sehr bodenständig. Die meisten sprechen Englisch, so dass die Kommunikation relativ gut funktioniert. Außerdem kommunizierten wir alle schon während des Akquisitionsprozesses auf Deutsch und auch jetzt im Alltagsbetrieb verwenden wir Deutsch. Chinesische Mitarbeiter, die in Deutschland studiert haben, und ihre hiesigen Kollegen aus der deutschen Vertriebsgesellschaft kommunizieren mit den Arbeitern in Abstimmung miteinander. Der Zusammenhalt ist sehr stark. Besonders die Fähigkeit, das Geschick und die hohe Effizienz der deutschsprachigen weiblichen Mitarbeiterinnen aus China treffen auf ein großes Echo. Die deutschen Kollegen zeigen sich allgemein voller Bewunderung für die chinesischen Kollegen und sie erkennen die Notwendigkeit, die chinesische Kultur sowie die Fähigkeiten der chinesischen Mitarbeiter nochmals eingehend zu betrachten und mit anderen Augen zu sehen.

Gibt es Synergieeffekte bei der Zusammenarbeit zwischen der chinesischen Muttergesellschaft und der deutschen Tochter?

Gegenwärtig treffen chinesische Produkte aufgrund der Anti-Dumping- und Anti-Subventionsmaßnahmen auf viele Hindernisse, da sind die deutschen Produkte eine sehr gute Ergänzung. Zudem sind die deutschen Produkte im Vergleich zu den chinesischen anders im Markt positioniert und bringen eine vielfältige Kundenstruktur und einen großen Kundenstamm mit sich. Dieser Aspekt hat sich bereits in der Praxis bestätigt und es gibt deutliche Synergieeffekte. Wenn es künftig beim Handel mit Photovoltaikprodukten protektionistische Maßnahmen für die lokalen Produkte oder Anti-Dumping-Maßnahmen gibt, werden wir zum einen die chinesische Regierung bei Rechtsbeschwerden unterstützen und zum anderen aktiv nach weiteren Fertigungsstandorten im Ausland suchen. Auf diese Weise werden wir die Fähigkeiten in der Fertigung, die sich China seit der Reform- und Öffnungspolitik angeeignet hat, in die Welt tragen, sodass die Welt China noch besser versteht. Herr Dr. Lu, vielen Dank für das Interview.

Dr. LU Chuan ist seit 2011 stellvertretender Geschäftsführer der Astronergy GmbH. Zuvor war der studierte Jurist, der in den USA und China als Rechtsanwalt zugelassen ist, u.a. stellvertretender Leiter der Investitionsabteilung im Mutterkonzern Chint. Astronergy übernahm Anfang 2014 das Werk der insolventen Conergy GmbH in Frankfurt an der Oder. Zuvor waren bereits die globalen Vertriebs- und Serviceeinheiten von Conergy durch den US-Finanzinvestor Kawa Capital Management aufgekauft worden. Die von NAN Cunhui geleitete Chint-Gruppe aus Hangzhou zählt mit über 30.000 Mitarbeitern weltweit und einem Umsatz von 30 Mrd. USD im Jahr 2013 zu den 100 größten Privatunternehmen in China. Die auf Photovoltaik spezialisierte Tochter Astronergy setzte 2013 rund 810 Mio. USD um und verfügt weltweit über 4.000 Mitarbeiter. www.astronergy.com

Günstige Gelegenheit genutzt

Immer mehr deutsche Unternehmen übernehmen bei Joint Ventures in China die Anteile ihrer Partner. Oftmals wünschen sich die Investoren mehr Handlungsfreiheit oder wollen bei den Kosten sparen. Jüngste Beispiele sind der Autozulieferer Grammer und der Oberflächenspezialist Chemetall. VON THOMAS MÜNCHER 

Nach Angaben der Wirtschaftsberatung Deloitte waren in den 1990er Jahren noch 90% der ausländischen Investoren in China von Joint Ventures abhängig. Doch seit Jahren ist diese Zahl rückläufig. „Mit der Überarbeitung des Investitionskatalogs von 2004 wurde für viele Industriezweige die Joint-Venture-Pflicht aufgehoben“, erklärt Andreas Feege, Partner und Leiter der China Practice bei KPMG Deutschland. Heute laufen nur noch weniger als 10% der deutschen Investitionen über Gemeinschaftsunternehmen. Dass die Partner ihre Zusammenarbeit ausdehnen – wie vor Kurzem bei Daimler und der Beijing Automotive Group (BAIC) –, ist eher die Ausnahme. Der Trend geht dahin, dass deutsche Unternehmen entweder ihre Partner ausbezahlen oder ein Joint Venture ganz auflösen wollen.

Wichtiger Auslandsmarkt für Grammer

Ein aktueller Fall ist die Grammer AG. Mit mehr als einer Million neuer Fahrzeuge pro Jahr ist China weltweit der größte Markt für schwere Lkw. Mit speziellen Autositzen will der Konzern aus dem oberfränkischen Amberg in diesem weiter wachsenden Markt erfolgreich sein. Zusammen mit dem Partner Jiangsu Yuhua wurden deshalb seit 2013 gefederte Lkw-Sitze in China produziert. „Durch diese Zusammenarbeit war ein schneller und dauerhafter Eintritt in den weltgrößten Markt für Nutzfahrzeuge möglich“, sagt Hartmut Müller, Vorstandsvorsitzender der Grammer AG. Das Gemeinschaftsunternehmen war dabei ein wichtiger Meilenstein in der Umsetzung der globalen Wachstumsstrategie. Beide Partner konnten in Grammer Seating ihre jeweiligen Stärken und Erfahrungen einbringen. So stellte Jiangsu Yuhua eine neue Produktionsstätte zur Verfügung und brachte sein bestehendes Lkw-Sitzgeschäft und den Kundenstamm ein. „Wir konnten marktspezifische Sitztypen vor Ort produzieren und an namhafte lokale und internationale Kunden vertreiben“, beschreibt Müller die Joint-Venture-Vorteile.

Die Zusammenarbeit war geprägt von gegenseitigem Vertrauen. – HARTMUT MÜLLER, Vorstandsvorsitzender, Grammer AG

Kurzfristige Chance

Das Gemeinschaftsunternehmen zwischen Grammer und Yuhua trat erfolgreich in den Markt ein. „Die Kunden fragen immer mehr technologisch hochwertige Sitze nach“, so Müller. Gab es auch Probleme bei dem Joint Venture? China war für Grammer kein Neuland, seit über 20 Jahren ist man dort aktiv und produziert an fünf Standorten für den lokalen Pkw- und Nutzfahrzeugmarkt. „Die Zusammenarbeit mit unserem Partner war geprägt von hoher Professionalität und gegenseitigem Vertrauen“, betont Müller. „Deshalb gab es keine ernsthaften Probleme oder große Anlaufschwierigkeiten.“ Im Januar 2015 übernahm der Autozulieferer den 40%igen Anteil von Grammer Seating und wurde alleiniger Eigentümer des Gemeinschaftsunternehmens. „Mit 60% hatten wir bereits die Mehrheit an dem Joint Venture“, erläutert Müller. „Außerdem war geplant, langfristig die restlichen Anteile unseres chinesischen Partners vollständig zu übernehmen. Jetzt ergab sich kurzfristig die Möglichkeit, die restlichen Anteile zu attraktiven Konditionen zu erwerben. Diese Chance haben wir genutzt.“

Die Eigenständigkeit verschlankt das Unternehmen. – ANDREAS FEEGE, Partner, Leiter China Practice KPMG Deutschland

Mehr unternehmerische Freiheit

Die Gründe für solche Alleingänge sind unterschiedlich. „Ein Unternehmen zu lenken, ist ohne einen Joint Venture-Partner um einiges leichter“, sagt Andreas Feege von KPMG. Auch geschäftspolitische Fragen wie Compliance oder interne Kontrollen lassen sich so einfacher umsetzen. „Oft ist es nur ein einfaches Rechenexempel, welche Renditen man ohne zu teilen einstreichen könnte“, weiß Feege. Zudem gibt es weitere Vorteile: „Die Eigenständigkeit verschlankt das Unternehmen, da bei Joint Ventures für die gleiche Position oft zwei Personen zuständig sind“, erläutert Feege. Ohne die Rücksichtnahme auf andere Interessen lassen sich Entscheidungen schneller treffen. Allerdings kann die vollständige Joint-Venture-Übernahme auch negative Folgen haben. „Zum Beispiel beim Zugang zu den Vertriebsnetzen, wenn es um öffentliche Ausschreibungen geht oder wenn ein lokales chinesisches Unternehmen im Genehmigungsverfahren vermisst wird“, warnt Feege.

Chemetall mit neuer Strategie

Um schneller wachsen zu können, setzen auch Investoren aus anderen Branchen und Ländern auf eine Komplettübernahme. So erwarb die Frankfurter Chemetall, eine Tochter des US-Chemieriesen Albemarle, sämtliche Anteile von ihren beiden chinesischen Partnern am Joint Venture Shanghai Chemetall. Mit der Akquisition verfolgt das Unternehmen das Ziel, seine internationale Wettbewerbsposition als Anbieter für Oberflächentechnik zu verbessern. „Wir wollen unsere Präsenz in China mit eigenen Niederlassungen ausbauen“, erläutert Joris Merckx, Geschäftsführer Chemetall. „Durch unsere 100%ige Tochtergesellschaft in Shanghai können wir jetzt schnell auf sich verändernde Markt- und Kundenbedürfnisse vor Ort reagieren.“ Chemetall ist ein globaler Lieferant von Spezialchemikalien mit Schwerpunkt auf Verfahren zur Oberflächenbehandlung von Metallen, Kunststoffen und Glas. Mit dem breit gefächerten Angebot an Oberflächentechnologien partizipieren das Frankfurter Unternehmen und der US-Chemiekonzern auch am Wachstum der Automobilindustrie in China. Das Joint Venture Shanghai Chemetall gibt es seit 1995 und es ist heute mit 220 Mitarbeitern die chinesische Zentrale des US-Chemiekonzerns.

Ausblick

Immer mehr deutsche Unternehmen werden kurzbis mittelfristig die Anteile ihrer chinesischen Partner übernehmen. Denn der chinesische Staat reduziert immer weiter die Anzahl an Branchen, in denen Joint Ventures für ausländische Investoren verpflichtend sind. Viele Mittelständler wünschen sich auf dem chinesischen Markt mehr Handlungsfreiheit bei Investitionen und im operativen Geschäft. Allerdings haben sich Gemeinschaftsunternehmen gerade auch für Mittelständler als verlässliches Instrument für den Markteintritt bewährt. Sie machen den Aufwand für den Aufbau von Vertriebsnetzen und Lieferantenketten überschaubar und ermöglichen es, mit vertretbarem Risiko wertvolle Erfahrungen auf dem chinesischen Markt zu sammeln. Deswegen wird es auch in Zukunft in bestimmten Bereichen gute Gründe für Joint Ventures mit chinesischen Partnern geben. Vor einer Zusammenarbeit werden die Unternehmen aber noch intensiver prüfen, mit welchen zählbaren Vorteilen für beide Seiten zu rechnen ist.

Figure 10 Fakten & Zahlen – Grammer AG - Chemetal GmbH

„Die Freundlichkeit der Menschen hier macht die Faszination aus“

Er ist der vielleicht bekannteste Deutsche in Shanghai. Seit 1996 lebt und arbeitet er hier. Titus von dem Bongart ist seit vier Jahren Präsident der Deutschen Handelskammer in Shanghai, der von der deutschen Mitgliederzahl größten weltweit. In seiner Funktion kümmert er sich um deutschsprachige Investoren in China. Wir sprachen mit ihm am Rande einer China-Reise Mitte April. INTERVIEW MARKUS RIEGER

Unternehmeredition: Herr von dem Bongart, seit nunmehr 18 Jahren leben Sie hier. Was macht die Faszination China für Sie heute bzw. immer noch aus?

Von dem Bongart: Es ist vor allem die Freundlichkeit der Menschen hier. Die Chinesen sind wahnsinnig offen und engagiert. Für mich bedeutet das auch tägliche Veränderungen. Und natürlich auch täglich neue Herausforderungen, die das Leben und Arbeiten hier bereichern.

Sie sind einer der wenigen Deutschen, denen man nachsagt, dass sie inzwischen sehr gut Chinesisch sprechen. Wie schafft man das?

(lacht) Nun, mein erster Chef hier in Shanghai war Chinese. Seine klare Vorgabe war, Chinesisch zu lernen. Er hat mir drei Monate Zeit gegeben, mich in die Grundlagen einzufinden. Das war die Basis, um mich im täglichen Umgang dann kontinuierlich zu verbessern.

Ein Wort zur Umweltbelastung. Eine Reihe von Expatriates drängt es wieder in die Heimat, weil die Feinstaubwerte in den großen chinesischen Städten bedrohliche Ausmaße angenommen haben.

Städte wie Peking oder Shanghai sind natürlich keine Luftkurorte. Während es in Shanghai erträglich ist, sehe ich Peking problematischer. Aus meiner Sicht ist hier aber mittelfristig Licht am Ende des Tunnels. Die Regierung tut inzwischen alles dafür, um Veränderungen herbeizuführen.

Wenn Sie das heutige China mit dem vor zehn bis 15 Jahren vergleichen, wo sehen Sie die wesentlichen Unterschiede?

Sehen Sie aus dem Fenster (was wir dann tun… aus dem 50. Stock des World Financial Center, Anm. d. Red.)! Jedes Hochhaus hier ist neu! Gerade einmal der Fernsehturm stand damals. Komplett neue Infrastruktur, komplette Veränderung aller Lebensbereiche, Luxuskarossen auf den Straßen… Was hat sich nicht verändert, müsste man fragen…

Eines Ihrer Kammermitglieder hat uns gebeten, diese Frage zu stellen: Ausländische Unternehmen werden steuerlich immer mehr „zur Kasse“ gebeten. Vielleicht auch, weil die Ära der staatlichen Erlösquelle Grundstücksverkäufe vorbei ist? Was passiert in den kommenden drei Jahren, wird die See rauer?

Durch meine persönliche Brille: China tut richtige Dinge. Allerdings muss man sich von den zweistelligen Wachstumsraten endgültig verabschieden. China wird einfach normaler. Einen „Major Shock“ sehe ich persönlich nicht.

Wie Sie wissen, betreiben wir nun seit zwölf Monaten die „Plattform M&A China/Deutschland“. Unsere Geschäftsidee fußt ja auch auf dem Trend zu massiven chinesischen Auslandsinvestitionen. Wie sehen Sie die Vorzeichen?

Genau in diese Richtung geht der Trend! Es vergeht kein Tag, an dem Politiker nicht die Unternehmen zum „Going Out“ ermutigen. Der Staat ist der Treiber der chinesischen Auslandsinvestments. Herr von dem Bongart, herzlichen Dank für die offenen Worte!

Titus von dem Bongart ist Vorstandsvorsitzender der AHK in Shanghai, der größten deutschen Handelskammer weltweit. Geboren im Jahr des Drachen, kam der Rechtsanwalt mit vielseitiger Asienerfahrung 1996 nach Shanghai, um für Arthur Andersen den German Desk aufzubauen. Seit acht Jahren ist von dem Bongart Partner von Ernst & Young und Leiter des GBC Shanghai. Als Experte für chinesisches Steuerrecht ist er nebenher auch noch als Dozent an der Univer- sität in Hamburg und der Tongji-Universität in Shanghai tätig. http://china.ahk.de

Industrie 4.0 – Treiber für chinesische M&A-Aktivitäten in Deutschland

Hitziges Marktgeschehen bei niedrigem Gesamtvolumen – dies kennzeichnete die M&A-Aktivitäten chinesischer Unternehmen in Deutschland im vergangenen Jahr. Mittelständler aus der Automobilzulieferer- und Maschinenbaubranche waren bei den Investoren aus China besonders beliebt. VON FREDERICK WANG

Laut den statistischen Erhebungen von Morning Whistle Research beteiligten sich Unternehmen aus dem Reich der Mitte im Jahr 2014 an insgesamt 29 M&A-Transaktionen. In 22 Fällen wurde auch der Betrag veröffentlicht, zusammengerechnet waren es 2,35 Mrd. USD. Damit nimmt Deutschland 2,6% des gesamten chinesischen M&A-Outbound-Volumens ein und liegt auf Platz zehn unter den Zielländern. Unter diesen 29 angekündigten Transaktionen wurde bei sechs der Vertrag unterschrieben und weitere zehn bereits umgesetzt. Dies betrifft ein Volumen von 144 Mio. USD bzw. 1.220 Mio. USD. Bei 13 Projekten in einer Gesamthöhe von 984 Mio. USD gab es eine Bekanntmachung noch ohne Vertragsabschluss bzw. keine Angaben zum Vertrag.

Mittelständler mit Technologievorsprung im Fokus

Der größte Deal chinesischer Investoren in Deutschland war 2014 die Übernahme des deutschen Automobilzulieferers Hilite International durch den aus dem Flugzeugbau stammenden Mischkonzern Avic für 473 Mio. EUR (umgerechnet 602 Mio. USD). Bei den anderen Übernahmen und Beteiligungen hingegen handelte es sich um kleine und mittelgroße M&A-Transaktionen mit einem Zielvolumen unter 400 Mio. USD. Der Bereich Industrie 4.0 ist der hauptsächliche Treiber für Übernahmen und Beteiligungen chinesischer Investoren in Deutschland. Die beliebtesten Sektoren sind die Automobilzulieferer- und Maschinenbaubranche. Die Statistik von Morning Whistle zeigt, dass unter den 29 Transaktionen des Jahres 2014 neun im Sektor Maschinen- und Anlagenbau und sechs im Bereich Automotive stattfanden. Zusammen nehmen beide Bereiche über die Hälfte der M&A-Deals mit chinesischer Beteiligung in Deutschland ein. Am beliebtesten bei den Gesellschaften aus China sind mittelständische Unternehmen.

Spezielle Vorzüge deutscher Unternehmen

Typisch für den deutschen Mittelstand sind Familienunternehmen. Diese verfügen häufig in einer speziellen Nische über äußerst fortgeschrittene und einzigartige Technologie. Da sie sich schon lange innerhalb ihrer Branche spezialisiert haben, weisen sie gleichzeitig auf ihrem Fachgebiet große Forschungs- und Entwicklungskapazitäten sowie einen hohen Integrationsgrad auf. Zudem besitzen sie gefestigte Kundenbeziehungen. Bei einer Übernahme erlangen die chinesischen Unternehmen nicht nur deren fortgeschrittene Technologie, sie können auch Zugang zu ganzen Systemen von Lieferantenketten großer Automobilhersteller sowie Maschinen- und Anlagenbauer erhalten. Weil die Zielunternehmen relativ klein sind, ist der Kapitalbedarf bei der Übernahme für die Gesellschaften aus China recht niedrig. Dementsprechend sind die Risiken, mit denen sich chinesische Investoren bei M&A-Transaktionen mit deutschen Mittelständlern als Targets konfrontiert sehen, relativ überschaubar.

M&A-Partnersuche leicht gemacht

Der deutsche Mittelstand genießt im Ausland einen hervorragenden Ruf. Mit innovativen und zuverlässigen Produkten ist es deutschen Unternehmen gelungen, sich im weltweiten Wettbewerb um Marktanteile erfolgreich zu positionieren. An diesem Erfolg wollen auch immer mehr chinesische Unternehmen teilhaben. VON MARKUS HEMPEL

Deutschland und China verbinden enge wirtschaftliche Beziehungen. Das Außenhandelsvolumen beider Staaten belief sich 2014 auf knapp 154 Mrd. EUR, ein Anstieg von 10% im Vergleich zum Vorjahr. Auch als Investitionsstandort bietet die Bundesrepublik nicht nur aus chinesischer Sicht hervorragende Eigenschaften: Eine erstklassige Infrastruktur, gut ausgebildete Fachkräfte sowie ausgezeichnete rechtliche Rahmenbedingungen haben in den vergangenen Jahren bereits viele ausländische Unrnehmen von einer Ansiedlung überzeugt.

Steigende Investitionen ausländischer Unternehmen

Germany Trade & Invest (GTAI) vermarktet den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland im Ausland und begleitet zugleich ausländische Unternehmen bei der Ansiedlung in Deutschland. Insgesamt registrierte die GTAI vergangenes Jahr rund 1.200 Investitionsprojekte in Deutschland und damit einen neuen Rekord. Damit verbunden sind mindestens 16.000 Arbeitsplätze und ein Investitionsvolumen von über 3,2 Mrd. EUR. Mit 190 Projekten kamen die meisten Greenfield-Investitionen aus China, gefolgt von den USA (168) und der Schweiz (130). Rechnet man die Fusionen und Übernahmen deutscher Firmen durch ausländische Investoren mit ein, gab es im vergangenen Jahr fast 1.700 ausländische Investitionen in Deutschland – ebenfalls ein neuer Rekord. Im Bereich M&A lagen die USA auf Platz eins mit 114 Transaktionen. China schaffte es 2014 mit 27 M&A-Transaktionen auf den siebten Platz – ein deutlicher Sprung nach oben im Vergleich zum Vorjahr (Platz 14). Im Jahr 2013 wurden in Deutschland lediglich sieben Übernahmen chinesischer Herkunft von GTAI registriert.

Deutschland ist für die Erschließung weiterer europäischer Märkte von hoher Bedeutung.

China steht auf „Made in Germany“

Chinesische Käufer nutzen Fusionen und Unternehmensübernahmen in Deutschland für die Umsetzung ihrer Internationalisierungsstrategie. Deutschland eignet sich hierbei nicht nur als reiner Absatzmarkt, sondern ist aufgrund seiner Lage auch für die mittelfristige Erschließung weiterer europäischer Märkte von hoher Bedeutung. Neben dem Technologietransfer möchten die Käufer auch vom guten Ruf des Labels „Made in Germany“ profitieren. Gerade in China steht das Gütesiegel für erstklassige Qualität und Zuverlässigkeit. Eine Unternehmensübernahme oder ein Joint-Venture ist im Vergleich zu einer klassischen Greenfield-Investition in der Regel mit weniger Aufwand verbunden. Ausländische Investoren sehen daher den Kauf eines Unternehmens als alternative Möglichkeit für den Markteintritt in Deutschland an.

Anfragen zu M&A häufen sich

Die GTAI ist der erste Ansprechpartner für ausländische Unternehmen, die sich für eine Investition in Deutschland interessieren. Der Fokus bei der Anwerbung ausländischer Unternehmen durch die GTAI liegt auf Neuansiedlungen. In den letzten Jahren hat die GTAI vermehrt M&A-Anfragen mit kleinem und mittlerem Investitionsvolumen erhalten. Immer häufiger werden die Investorenanwerber von Germany Trade & Invest auch von chinesischen Unternehmen auf das Thema M&A in Deutschland angesprochen. Chinesische Investoren suchen hauptsächlich nach deutschen Unternehmen aus dem Bereich Maschinenbau. Die ebenfalls an Bedeutung gewinnende Umwelttechnik ist ein weiteres Gebiet, für das sich chinesische Investoren derzeit interessieren. Dabei sind die chinesischen Investoren laut den Erfahrungen der Investorenanwerber nicht von vornherein auf eine Mehrheitsbeteiligung ausgerichtet. Oft wird die Bildung eines Joint Ventures als erste Option für den Markteintritt in Deutschland bzw. Europa angesehen.

Plattform für Unternehmer und Investoren

Um den Investorenanliegen ausländischer Unternehmen im Bereich M& A entgegenzukommen, bietet die GTAI spezielle Dienstleistungen auf diesem Gebiet an. In Abstimmung mit dem Bundeswirtschaftsministerium und der KfW-Bank ist die GTAI seit Mai 2012 „Regionalpartner International“ bei der Plattform nexxt change (www.nexxt-change.org). Die Plattform verfolgt das Ziel, potenzielle Investoren und verkaufsinteressierte Unternehmen zusammenzubringen. Unternehmen sowie Existenzgründer können dazu in den Inseraten der Börse recherchieren oder selbst Inserate einstellen. Da die Plattform ausschließlich in deutscher Sprache zur Verfügung steht, kann die GTAI die Veröffentlichung eines Kaufgesuchs für chinesische Investoren übernehmen. Seit die GTAI „Regional-partner International“ ist, kann bei nexxt-change auch angegeben werden, ob das deutsche Unternehmen dafür offen ist, an einen ausländischen strategischen Investor verkauft zu werden. Manche deutschen Unternehmer sind bei ausländischen Unternehmen vorsichtig, da die Befürchtung besteht, dass das eigene Unternehmen „ausgeschlachtet“ werden könnte. Diese Besorgnisse sind aber in den meisten Fällen unbegründet, da strategische Investoren an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert sind.

Services für ausländische Investoren

Über die Plattform initiierte Transaktionen bewegen sich typischerweise in einer Größenordnung bis 5 Mio. EUR, in seltenen Fällen bis 10 Mio. EUR. Die angebotenen Dienstleistungen von Germany Trade & Invest richten sich an alle ausländischen Unternehmen, die als strategische Investoren ein deutsches Unternehmen übernehmen wollen. Die Erstellung von Targetlisten für potenzielle M&A-Investoren gehört indes nicht zum Dienstleistungsangebot der GTAI. Wird die GTAI über ihre Auslandsmitarbeiter oder Industriespezialisten durch einen potenziellen ausländischen Investor kontaktiert, werden standardmäßig alle erforderlichen Informationen eingeholt, um ein Kaufgesuch aufzunehmen, das sämtliche relevanten Daten enthält. Ferner wird der Investor über das Serviceangebot von Germany Trade & Invest informiert. Das entwickelte Kaufgesuch wird auf der Plattform nexxt-change veröffentlicht. Erhält die GTAI konkrete Verkaufsangebote, werden diese an die Käuferseite weitergeleitet. Soweit gewünscht, unterstützt die GTAI Käufer und Verkäufer bei der Findung von Partnern, welche den Verkaufsprozess professionell strukturieren.

Private Equity in China – neue Chancen nutzen

Privates Beteiligungskapital brach sich in China vor rund zehn Jahren seine Bahn. Bald schon folgten erste ausländische Private-Equity-Fonds der Verlockung des Riesenreichs. Mittlerweile gibt es zahlreiche bedeutende heimische Player, die sich auf einem Markt mit ganz eigenen Regeln tummeln. Ihre zunehmende Internationalisierung bietet neue Perspektiven und Potenziale. INTERVIEW ANNA ERETH 

Deutscher Mittelstand und privates Beteiligungskapital, klingt immer noch exotisch. Vorbehalte prägen nach wie vor das Bild. Wie werden chinesische Private-Equity-Investoren wahrgenommen, die hierzulande immer sichtbarer werden?

Marc L. Holtorf, Partner und Co-Leiter German China Desk, Clifford Chance

Nach meiner Erfahrung hat sich die Einstellung des deutschen Mittelstands zu Private-Equity-Investoren im Allgemeinen schon seit einiger Zeit stark entspannt. Ehemals bestehende Vorbehalte wurden korrigiert und entsprechende Investments werden als Chance gesehen. Im Verhältnis zu chinesischen Private-Equity-Investoren mag dies im Einzelfall aktuell noch anders sein. Gerade der Mittelstand hat allerdings häufig schon langjährige Erfahrungen mit dem chinesischen Markt. Chinesische Geschäftspartner sind den Unternehmen daher bekannt, was für die dortigen Private-Equity-Investoren beim Eintritt in den hiesigen Markt ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist.

Dr. Urs Aebischer, CEO Swiss Impulse Group AG

Es werden sehr hohe Investitionen von chinesischen Investoren im Ausland und damit auch in Europa erwartet. Aufgrund des unterschiedlichen kulturellen Hintergrundes weckt das gewisse Ängste vor dem Unbekannten. Solche Ängste sind jedoch unbegründet, da chinesische Investoren sehr langfristig orientiert und damit auch am langfristig nachhaltigen Erfolg des Unternehmens interessiert sind. Im Gegenteil, die Investition durch einen chinesischen Investor eröffnet meist eine hervorragende Chance, dessen Netzwerk zu nutzen, um die Position des Unternehmens in China zu stärken.

Ulf von Haacke, Partner, Managing Director, Head of Industrial, 3i Germany

Der Einstieg chinesischer Private-Equity-Investoren unterstützt die Entwicklung des lokalen Private- Equity-Marktes und der chinesischen Volkswirtschaft. Chinesische Investoren punkten natürlich mit ihrer regionalen und kulturellen Verbundenheit, werden in ihren Kompetenzen aber differenziert wahrgenommen. Im Gegensatz zu angelsächsischen Investoren wie 3i können sie aber nur auf einen kleineren Erfahrungsschatz zurückgreifen, insbesondere für Investitionen mit Potenzial für Internationalisierung.

Private-Equity-Aktivitäten haben auf dem chinesischen Markt in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugelegt. Was ist der Hintergrund für diese spezielle Entwicklung? 

Marc L. Holtorf, Partner und Co-Leiter German China Desk, Clifford Chance

Für diese Entwicklung gibt es sicherlich eine Reihe von Gründen. Zunächst hat die Menge der verfügbaren Geldmittel stark zugenommen. Davon profitiert auch das Private-Equity-Geschäft und China ist nach wie vor ein sehr interessanter Markt. Außerdem können oder wollen oftmals auch chinesische Unternehmen ihr Wachstum nicht mehr über die traditionellen Wege finanzieren. Sie suchen deshalb den Kontakt zu Finanzinvestoren, um ihre Pläne realisieren zu können. Offensichtlich haben sich zudem die rechtlichen Rahmenbedingungen in China seit Beginn des Jahrtausends massiv verändert, wovon Private Equity-Investoren in besonderem Maß profitiert haben.

Dr. Urs Aebischer, CEO Swiss Impulse Group AG

Chinesische Investoren haben ursprünglich mehrheitlich in Immobilien oder in das eigene Unternehmen investiert. Mit den jüngsten Erfolgsgeschichten im Bereich Internet wächst die Bereitschaft, einen Teil der Investitionen in anderen Sektoren, respektive außerhalb des eigenen Familienunternehmens, zu tätigen. Außerdem werden immer mehr westliche Private-Equity-Investoren in China aktiv, weil China weiterhin ein deutlich größeres Wachstum aufweist als der Westen.

Ulf von Haacke, Partner, Managing Director, Head of Industrial, 3i Germany

Vor zehn Jahren steckte die Private-Equity-Industrie in China noch in den Anfängen ihrer Entwicklung – sowohl was die Verfügbarkeit attraktiver Investitionsmöglichkeiten als auch das regulatorische Umfeld anging. Beides hat sich seitdem verbessert. Das zunehmende Interesse von institutionellen Investoren an China hat diese Entwicklung noch beschleunigt. Vor dem Hintergrund des anhaltenden Wirtschaftswachstums konnten sich zudem viele Private-Equity-geführte Unternehmen profitabel entwickeln.

Private-Equity-Investoren in China sehen den Börsengang als wichtigsten Exit-Kanal. Zielen diese zunehmend auf chinesische Börsen ab oder auch auf die im Ausland?

Marc L. Holtorf, Partner und Co-Leiter German China Desk, Clifford Chance

Ein Exit über einen Börsengang gilt noch immer als Königsweg für den Ausstieg einer Private-Equity-Gesellschaft, insbesondere in China. Ich erwarte allerdings, dass mittelfristig bei Private-Equity-Investments in China andere Exits, wie Trade Sales, Secondary Purchase oder Buy Backs, eine größere Rolle spielen werden. Ob ausländische Börsen gegenüber den chinesischen Börsen bei Ausstiegen Anteile gewinnen können, wird im Wesentlichen von den regulatorischen und vor allem von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängen.

Dr. Urs Aebischer, CEO Swiss Impulse Group AG

Das hängt größtenteils mit dem regulatorischen Umfeld zusammen. Von nationalen Private-Equity-Investoren geprägte Unternehmen werden eher ein IPO in Festlandchina anstreben, während von internationalen Investoren geprägte Firmen eher das IPO in Hongkong, London oder New York wählen. Entscheidend ist jedoch die Frage, ob sich ein IPO zur Kapitalbeschaffung hauptsächlich an chinesische oder an internationale Investoren richtet und ob das Unternehmen vorwiegend auf dem nationalen oder auf dem internationalen Markt tätig ist.

Ulf von Haacke, Partner, Managing Director, Head of Industrial, 3i Germany

Ein Exit via IPO ist, insbesondere wenn es keine offensichtlichen chinesischen Käufer gibt, eine sinnvolle Exit-Strategie. Bereits heute finden viele Börsengänge in Hongkong und New York statt, um Zugang zu breiteren Investorengruppen zu erreichen. Dank der Erfolge chinesischer IPOs gehe ich davon aus, dass sich dieser Trend bestätigen wird, solange Bewertungsniveaus im Ausland attraktiv bleiben.

MARC L. HOLTORF, Partner und Co-Leiter German China Desk, Clifford Chance. Marc L. Holtorf ist Partner und Co-Leiter des German China Desk bei Clifford Chance in München. Er berät deutsche und chinesische Industrieunternehmen und Finanzinvestoren bei Cross-Border-Projekten. Holtorf verfügt zudem über umfangreiche Erfahrung im Marken- und Patentrecht. Er ist Dozent der Munich Business School für Internationales Wirtschaftsrecht.

DR. URS AEBISCHER. CEO, Swiss Impulse Group AG. Dr. Urs Aebischer ist Serial Entrepreneur und Private-Equity-Investor mit Fokus auf Digitale Medien, E-Commerce, innovative Technologien und Dienstleistungen. Er ist Gründer von Swiss Impulse, einem Growth Accelerator und Business Enabler, der Europa und Asien verbindet.

ULF VON HAACKE, Partner, Managing Director, Head of Industrial, 3i Germany. Ulf von Haacke ist seit 2001 für 3i tätig und übernahm im Mai 2009 die Geschäftsführung der 3i Deutschland GmbH. Zuvor arbeitete er auf internationaler Ebene für die Fraunhofer Gesellschaft und danach bei der Boston Consulting Group. Er hat langjährige Erfahrung in den Bereichen Buyouts und Wachstumskapitalfinanzierung und leitet den Industrie-Sektor bei 3i.

M&A und Bewertung – Anforderungen chinesischer Behörden

Die Zentralregierung in Peking hat in jüngster Zeit durch Reformen starke Impulse für Outbound-Investitionen gesetzt. Doch das von einigen Behörden vorgeschriebene Bewertungsverfahren für die Zielunternehmen chinesischer Übernahmen kann nach wie vor zu einem Stolperstein bei M&A-Transaktionen werden. VON DIRK NAWE UND MORITZ JACOBS

Die Anzahl der Übernahmen deutscher Unternehmen durch chinesische Investoren legte in den vergangenen Jahren deutlich zu. Der steigende Trend chinesischer M&A-Aktivität in Deutschland hält an. So kauften Investoren aus China im Jahr 2014 laut einem Bericht von DB Research insgesamt 22 deutsche Firmen. Auch die im Mai 2014 beschlossene Reform für chinesische Staatsunternehmen (SOE-Reform), die durch die Verringerung von Bürokratie und durch die Einführung schnellerer Genehmigungsverfahren Investitionen im Ausland erleichtert, führt zu anhaltend erhöhter Aktivität chinesischer Investoren in Deutschland und Europa.

Späte Rückfragen

In der Vergangenheit kam es oftmals vor, dass chinesische Behörden zu einem verhältnismäßig späten Zeitpunkt im Transaktionsprozess ein Bewertungsgutachten über die (deutsche) Zielgesellschaft anforderten. Häufig wird das Gutachten erst nach bereits absolvierten Kaufpreisverhandlungen erforderlich. Somit führen zum einen der Zeitpunkt als auch zum anderen die speziellen Bewertungsanforderungen der chinesischen Behörden an diese Gutachten zu besonderen Herausforderungen im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen deutschen und chinesischen Transaktionsbeteiligten (z.B. deutsche Zielunternehmen, Berater und chinesische M&A-Teams). Es ist vor allem zu berücksichtigen, dass das häufig angewandte kostenorientierte Bewertungsverfahren zu einem niedrigeren Wert führt als ein durch markt- oder zukunftsorientierte Verfahren ermittelter Wert oder ein eventuell bereits auf dieser Basis verhandelter Kaufpreis. Dieser Umstand kann im ungünstigsten Fall sogar zu einem Abbruch der angestrebten Transaktion führen.

Wann ist ein Gutachten erforderlich?

Es gibt verschiedene Fälle, in denen chinesische Behörden ein Unternehmensbewertungsgutachten anfordern müssen. So ist es z.B. für chinesische börsennotierte (Staats-)Konzerne zwingend erforderlich, im Rahmen eines bedeutenden Kaufs oder Verkaufs von Unternehmen oder Unternehmensteilen (sogenannte „major acquisitions“) sowie bei der Gründung von Joint Ventures ein Bewertungsgutachten an die China Securities Regulatory Commission (CSRC) zu übermitteln. Dies gilt insbesondere auch dann, wenn ein chinesischer börsennotierter Konzern ein deutsches Unternehmen erwerben möchte.

Bewertungsansatz und dessen Konsequenzen

Die anzuwendende Bewertungsmethodik entspricht grundsätzlich den internationalen Standards, wobei mindestens zwei der drei üblichen Bewertungsverfahren (kosten-, ertrags- oder marktorientiert) angewendet werden müssen. In der Praxis wird das kostenorientierte Substanzwertverfahren in vielen Fällen von den Behörden als primärer – und folglich als vorrangig unternehmenswertbestimmender – Ansatz gewählt. Diese Praxis wird sich voraussichtlich in naher Zukunft nicht ändern. Das Verfahren ist rein vergangenheitsorientiert und findet in Deutschland typischerweise bei der Bewertung von Sachanlagevermögen im Rahmen von Kaufpreisallokationen Anwendung. Hierbei wird auf die Kosten abgestellt, die für die identische Nachbildung des Bewertungsobjekts „auf der grünen Wiese“ notwendig wären. Die Verwendung des kostenorientierten Verfahrens zum Zwecke der Unternehmensbewertung führt im Rahmen von chinesisch-deutschen Transaktionen regelmäßig zu zwei verschiedenen Effekten.

Das kostenorientierte Verfahren führt regelmäßig zu einem niedrigeren Wert.

Unterschiedliche Dokumentation

Zum einen werden für die Ermittlung des Unternehmenswerts auf Basis dieses Ansatzes andere Informationen und Dokumente benötigt, als sie beispielsweise für die Ermittlung eines aus Sicht der deutschen Transaktionsbeteiligten typischen Discounted Cash Flow (DCF)- oder Multiplikator-Unternehmenswerts als markt- und ertragsorientierte Bewertungsansätze erforderlich wären. So basiert hier die Ermittlung des Werts auf der Substanz des Unternehmens bzw. den Reproduktionswerten der Wirtschaftsgüter, welche detaillierte Informationen zu den einzelnen Vermögensgegenständen – insbesondere zum Anlagevermögen – erfordern. Dazu gehören beispielsweise Immobilienbewertungsgutachten und Anlagenverzeichnisse inklusive historischen Anschaffungskosten sowie Abschreibungsverläufen. Zu einer Verzögerung des Transaktionsprozesses kann es hierbei insbesondere kommen, wenn keine aktuellen Immobilienbewertungsgutachten vorliegen.

Niedrigere Bewertungen

Zum anderen führt das kostenorientierte Verfahren regelmäßig zu einem niedrigeren Wert als ein Ertragswertverfahren (z.B. DCF- oder Ergebnis-Multiplikator). Ausschlaggebend für das Entstehen von niedrigeren Werten ist häufig, dass potenzielle Synergien sowie Zukunftsaussichten – beispielsweise die für die nächsten Jahre kontrahierten Aufträge eines Automobilzulieferers – bei der rein vergangenheitsorientierten Wertermittlung nicht berücksichtigt werden. Die Erfahrungen aus vergangenen Transaktionsprozessen haben gezeigt, dass eine Diskrepanz zwischen dem möglicherweise bereits verhandelten Kaufpreis und dem Bewertungsergebnis, das der Behörde oder auch internen Gremien eines chinesischen Konzerns in einem Gutachten vorgelegt wird, den erfolgreichen Abschluss der M&A-Transaktion gefährden kann. In der Praxis stellt sich heraus, dass, sobald abweichende Bewertungsergebnisse einmal vorgelegt wurden, es für die Beteiligten schwierig ist, die Abweichungen den chinesischen Entscheidern zu vermitteln und Gründe darzulegen, die dennoch für einen erfolgreichen Abschluss der Transaktion sprechen.

Zugelassene Gutachter

Die von den chinesischen Behörden geforderten Bewertungsgutachten dürfen lediglich durch vom Handelsministerium lizenzierte Bewertungsunternehmen erstellt werden. Zudem muss die verantwortliche Person die Prüfung zum Certified Public Valuer (CPV) abgelegt haben, als Gutachter für Börsen zugelassen und ein chinesischer Staatsbürger sein. Die großen Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind in der Regel in China für die aufgeführten Fälle nicht als Bewertungsgutachter zugelassen. Sie können jedoch im Rahmen einer beratenden Funktion den Bewertungsprozess für Parteien auf beiden Seiten der Transaktion begleiten und so die Verständigung zwischen den beteiligten Parteien unterstützen.

FAZIT

Die Anzahl der M&A-Transaktionen mit Beteiligung deutscher Unternehmen und chinesischer Konzerne wird weiter steigen. Ein beidseitiges Verständnis üblicher und erforderlicher Vorgehensweisen ist für erfolgreiche Transaktionsprozesse und erfolgreiche Investitionen unerlässlich. Die speziellen Charakteristika des Bewertungsprozesses sowie der verwendeten Methoden in Bewertungsgutachten für chinesische Behörden müssen frühzeitig adressiert und potenzielle Bewertungsprobleme sowie -differenzen identifiziert werden. Ein Verständnis dieser Anforderungen hilft negative Überraschungen im Laufe eines M&A-Prozesses zu vermeiden und somit die chinesisch-deutsche Zusammenarbeit zu fördern.

Lange Leine statt Bevormundung

Deutsche Mittelständler sind besonders attraktive Übernahmekandidaten für chinesische Unternehmen auf Einkaufstour, bieten sie doch einzigartiges Know-how und bekannte Markennamen. Aber jede M&A-Transaktion birgt Gefahren – vor allem mit Blick auf das Verhalten von Management und Mitarbeitern. Daher ist gerade hier ein systematischer Ansatz bei der Post-Merger-Integration unumgänglich. VON MICHAEL GÜTTES

Jede größere Veränderung löst bei den betroffenen Führungskräften und Belegschaften zunächst einmal Unbehagen aus. Bei der Übernahme durch ein chinesisches Unternehmen kommen bei Führungskräften und Mitarbeitern oft irrationale Ängste vor Bevormundung und Stellenabbau hinzu, die sich bei einem Blick auf konkrete Fälle der jüngeren Vergangenheit als unbegründet erweisen.

Menschen machen den Unterschied

Die größte Fehlerquelle bei Übernahmen lauert dort, wo die wenigsten Manager sie vermuten: im Bereich Human Resources. Aktuell muss jedes zweite Unternehmen in den ersten vier bis acht Monaten nach der Transaktion einen erheblichen Rückgang bei der Produktivität verzeichnen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass innerhalb eines Jahres bis zu 50% der Führungskräfte aus den Target-Unternehmen abwandern. Um diesen Aderlass zu vermeiden, sollten Unternehmen gleichrangig neben finanziellen, rechtlichen und technischen Aspekten bei Transaktionen diejenigen in den Mittelpunkt der Überlegungen rücken, die wesentlich über den Erfolg von M&A-Projekten entscheiden: die Menschen. Die jüngsten Übernahmen deutscher Unternehmen durch chinesische Firmen haben gezeigt, dass sich chinesische Manager in der Regel nicht so stark in die Belange der deutschen Führung einmischen, wie man das erwarten könnte. Statt einer Bevormundung werden die übernommenen Unternehmen an der langen Leine geführt. Das liegt weniger an den rund 8.000 Kilometern Entfernung zwischen China und Deutschland, sondern an der Überzeugung chinesischer Unternehmen, dass die deutsche Führung vor Ort die Verhältnisse besser einschätzen kann.

Die größte Fehlerquelle bei Übernahmen lauert im Bereich Human Resources.

Auf die Strategie kommt es an

Eine professionelle Beratung für die Post-Merger-Integration (PMI) identifiziert die sogenannten Hot-Spots einer Transaktion, die je nach Zielsetzung und Verlauf unterschiedlich sind, und beginnt mit einer ersten Einschätzung und einem Risiko-Assessment. Wo Transaktionen mit größeren Umbrüchen einhergehen, werden in einem ersten Schritt die strategischen Ziele des Unternehmens in relevanten Unternehmensbereichen in Form einer Performance-Matrix festgelegt. Diese strategischen Ziele müssen in einem zweiten Schritt in operative Ziele für die einzelnen Organisationseinheiten heruntergebrochen werden. Der nächste Schritt im Rahmen der PMI besteht darin, für jede Führungskraft ein den Aufgaben und Zielen angemessenes Kompetenzprofil zu entwickeln. Dieses Profil werden dann mit den Ist-Kompetenzprofilen der bestehenden beziehungsweise potenziellen Führungskräfte abgeglichen. Ziel der Analyse ist es, sicherzustellen, dass alle Führungskräfte eine möglichst hohe Deckungsquote zwischen Ist- und Soll-Skills vorweisen. Konkret werden dabei Gespräche mit den Führungskräften geführt. Auf der Basis der Selbst- und einer Fremdeinschätzung sowie in Verbindung mit einem durchgeführten Assessment-Center-Prozess werden die Soll-Ist-Abweichung und die erforderlichen Entwicklungsfelder zur Schließung von Kompetenzlücken ersichtlich. Dies ist vor allem bei Fusionen auf nationaler Ebene wichtig, wo in der Regel Synergieeffekte zum Tragen kommen sollen. Bei Übernahmen durch ausländische Konzerne steht dagegen der Know-how-Transfer meist im Vordergrund. Die Sorge, nach einem erfolgten Transfer könnten Standorte in Deutschland zugunsten einer günstigeren Produktion im Reich der Mitte aufgegeben werden, erweisen sich bisher als unbegründet. Oft wird außer Acht gelassen, dass China vor allem in technischer Hinsicht enorm aufgeholt hat und beim Einsatz moderner Medien, auch im Bereich Industrie 4.0, mancherorts den deutschen Unternehmen einen Schritt voraus ist. „Made in China“ ist heute weit mehr als nur billige Produktion.

Mit Kompetenzmodellen nachhaltig den Erfolg sichern

Um den Erfolg einer Transaktion langfristig zu sichern, ist die Implementierung eines nachhaltigen Personalmanagement- und Personalentwicklungskonzepts sinnvoll. Zunächst gilt es, die grundlegenden Ziele, Inhalte, Strukturen und Abläufe der Teildisziplinen Personaladministration, Personalbeschaffung, Personalsteuerung und Personalentwicklung zu definieren. Je schärfer das jeweilige Kompetenzprofil einer Position definiert ist, desto leichter kann ermittelt werden, ob ein Stelleninhaber oder Kandidat über die dafür erforderlichen Kompetenzen verfügt oder ob diese bei ihm entwickelt werden können. Der konkrete Nutzen eines einmal implementierten Konzepts zeigt sich meist schnell durch eine Performancesteigerung des Unternehmens und eine höhere Zufriedenheit der Mitarbeiter am Arbeitsplatz. Am Ende der PMI sollte ein Unternehmen dafür Sorge tragen, dass das durch die Transaktion erworbene Wissen dauerhaft im Unternehmen gespeichert bleibt, selbst wenn wichtige Protagonisten des Prozesses später das Unternehmen verlassen. Neben einer reinen Strategiedokumentation können vor allem die Erstellung eines Wertekodex sowie eines entsprechenden Organisationshandbuchs dies sicherstellen.

FAZIT

Ob im Bereich Technik oder Management – bei Unternehmensübernahmen zwischen deutschen und chinesischen Firmen sind es längst nicht nur die chinesischen Partner, die von deutschem Know-how profitieren. Noch ist unser Blick auf China und sein enormes Potenzial verzerrt – doch je häufiger chinesische Unternehmen deutsche Firmen erfolgreich übernehmen, desto eher wird sich die Erkenntnis durchsetzen, dass auch der gegenseitige Austausch mit dem Reich der Mitte unsere Wirtschaft beflügeln kann. Für den Erfolg jeder Übernahme aber ist der Beitrag jedes einzelnen Mitarbeiters unentbehrlich. Entscheidend ist daher, dieses Potenzial für das Unternehmen zu wahren, zu nutzen und langfristig weiterzuentwickeln.

Das Patentportfolio im Blick

Der Wert eines Unternehmens hängt in vielen Fällen von seinen Patenten und anderen Schutzrechten ab. Das trifft gerade für stark umkämpfte Technologiemärkte zu: Wer in Deutschland langfristig mithalten und den Vorsprung zum Wettbewerb ausbauen möchte, ist darauf angewiesen, seine Produkte rechtlich abzusichern. Auch bei Übernahmen ist es essenziell, die Schutzrechtssituation richtig zu bewerten – ein Punkt, den gerade auch chinesische Investoren beachten sollten. VON MATHIAS KARLHUBER

Die Bedeutung von Schutzrechten belegen auf globaler Ebene die Verletzungsstreitigkeiten von Firmen wie Apple, Samsung oder Google oder auch die spektakulären Verkäufe von Patentportfolios der letzten zehn Jahre (z.B. Nortel oder Kodak), bei denen zum Teil Kaufpreise im zweibis dreistelligen Millionenbereich ausgehandelt wurden. Aber gerade auch Deutschland steht hier mit im Fokus, da es sich innerhalb Europas als der Gerichtsstandort etabliert hat, an dem die meisten Patentverletzungsprozesse geführt werden. So finden große Prozesse mit internationaler Tragweite immer wieder in Deutschland statt, auch unter rein chinesischer Beteiligung, wie die Auseinandersetzungen zwischen ZTE und Huawei in jüngerer Zeit zeigen. Aus gutem Grund: Der Respekt vor den Schutzrechten des Wettbewerbs und die gerichtliche Durchsetzung von Schutzrechten haben in Deutschland eine lange Tradition. Die wirtschaftliche Bedeutung einer gefestigten Schutzrechtsposition im deutschen Wettbewerb sollte daher von chinesischen Investoren nicht unterschätzt werden.

Bewertung der Schutzrechtssituation

Bei Ermittlung eines marktgerechten Preises für ein Technologieunternehmen ist es für den Käufer wie für den Verkäufer ratsam, sich einen Überblick über die Schutzrechtssituation zu verschaffen. Dabei sollte grundsätzlich neben dem Portfolio des Kaufobjekts auch eine Bewertung der Patentsituation der Wettbewerber und des Marktumfelds stattfinden. Warum? Zum Beispiel weil grundlegende Patente eines Wettbewerbers die eigene Handlungsfreiheit erheblich einschränken können. Dann muss ein Unternehmen unter Umständen Lizenzen nehmen, um seine Produkte auf den Markt zu bringen. Noch schwieriger wird es, wenn der jeweilige Wettbewerber weder bereit noch verpflichtet ist, zu akzeptablen Konditionen eine Lizenz zu erteilen.

Bei Verhandlungen in Bezug auf das Portfolio des Kaufobjekts zählt vor allem die Qualität der Schutzrechte.

Das Portfolio des Kaufobjekts

Was bei Verhandlungen in Bezug auf das Portfolio des Kaufobjekts zählt, ist vor allem die Qualität der Schutzrechte – und nicht unbedingt deren Anzahl: Gerade die jüngeren Streitigkeiten aus den Bereichen Telekommunikation und Informationstechnologie haben gezeigt, dass bei einem Konflikt mit einem finanziell gut aufgestellten Gegner am Ende doch nur vergleichsweise wenige, dafür aber hochwertige Schutzrechte ausschlaggebend sind. Bemerkenswert ist, dass sich mittlerweile sogar Unternehmen etabliert haben, die solche Streitigkeiten bei guten Erfolgsaussichten finanzieren, sodass auch vermeintlich übermächtige Gegner an Schrecken verlieren können. Für die Bewertung jedes Schutzrechts sind folgende Einflussfaktoren zu prüfen und zu gewichten:

• Status des Schutzrechts: Sind alle amtlichen Erfordernisse für seinen Bestand erfüllt?

• Inhaberschaft des Schutzrechts: Ist eine lückenlose Rechtsnachfolge vom Erfinder zum Kaufobjekt gegeben? Der Eintrag hinsichtlich des Inhabers im amtlichen Register hat zwar Wirkung auf die Befugnis, aus dem Schutzrecht gerichtlich vorzugehen, er reicht aber nicht aus, da die tatsächlichen Eigentumsverhältnisse abweichen können.

• Verbleibende Laufzeit des Schutzrechts.

• Rechtsbeständigkeit des Schutzrechts: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es erfolgreich angegriffen wird?

• Durchsetzbarkeit gegen Wettbewerber: Ist der Nachweis einer Verletzung leicht zu führen? Ist das Schutzrecht mit Rechten Dritter belegt, beispielsweise aus Lizenzverträgen? Können Aspekte wie Verjährung oder Verwirkung eine Rolle spielen?

• Inhalt des Schutzrechtes: Welchen technologischen Wert hat es bzw. wie hoch ist die Attraktivität des geschützten Gegenstandes am Markt?

Sind der Status, die Inhaberschaft und die Laufzeit noch relativ einfach zu prüfen und klar zu gewichten, erfordern die Rechtsbeständigkeit, die Durchsetzbarkeit und der Inhalt komplexe rechtliche und wirtschaftliche Überlegungen, bei denen es naturgemäß zwischen Käufer und Verkäufer zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen kann.

Ziele des Käufers und Wettbewerbsumfeld

Der tatsächliche Wert eines Schutzrechts und sein Einfluss auf den Kaufpreis hängen zudem wesentlich von den individuellen geschäftlichen Zielen des Käufers ab. Dies muss in die Überlegungen mit einbezogen werden. Bei der Bewertung der Patentsituation des Wettbewerbs sind größtenteils dieselben Aspekte zu berücksichtigen wie bei der Bewertung des eigenen Portfolios. Dabei sollten Risiken durch mögliche Veränderungen des Wettbewerbsumfelds bedacht werden: Wird zum Beispiel durch die Übernahme aus einem bisher vergleichsweise kleinen Marktteilnehmer ein spürbarer Konkurrent, steigt das Risiko, dass Wettbewerber ihre Schutzrechte durchsetzen, um ihren Marktanteil zu verteidigen. Auch der psychologische Aspekt, dass plötzlich ein chinesisches Unternehmen in den Markt drängt, kann hier eine wesentliche Rolle spielen.

Den Wert von Schutzrechten berechnen

Für die Festlegung eines monetären Werts von Schutzrechten existieren in der deutschen Praxis unterschiedliche Berechnungsmethoden, die den tatsächlichen Marktwert mehr oder weniger realistisch abbilden: Ein einfacher, aber wenig empfehlenswerter Ansatz ist die Bewertung auf Basis der Kosten, die bisher für das Schutzrecht entstanden sind. Daneben existieren sogenannte marktorientierte Verfahren, die jedoch eine große Anzahl vergleichbarer Verkäufe voraussetzen, wozu in der Realität meist keine belastbaren Zahlen verfügbar sind. Deutlich aussagekräftiger, wenn auch schwierig zu beziffern, sind sogenannte zahlungsstromorientierte Ansätze, bei denen der Wert des Schutzrechts beispielsweise auf Basis möglicher Lizenzeinnahmen ermittelt wird. Dies ist selbstverständlich einfacher, wenn für das Schutzrecht selbst oder ähnliche Schutzrechte bereits ein solcher Lizenzvertrag existiert. Schutzrechte können über ihre Erlangung und Aufrechterhaltung hinaus auch ein erheblicher Kostenfaktor sein. So regelt das deutsche Gesetz über Arbeitnehmererfindungen, welche Vergütung ein Arbeitnehmer für eine solche Erfindung erhält. Diese Vergütung kann je nach wirtschaftlicher Bedeutung der Erfindung sehr hoch sein und die Beträge, die nach chinesischem Recht zu zahlen wären, erheblich überschreiten – auch das gilt es für chinesische Investoren bei Transaktionen zu berücksichtigen.

FAZIT

Die Bewertung von Schutzrechten im Rahmen von Transaktionen ist ein komplexer und aufwändiger Vorgang, den chinesische Investoren jedoch aufgrund des Stellenwerts von Schutzrechten im deutschen Markt auf sich nehmen sollten. Käufer und Verkäufer sollten sich dabei nicht nur über das Portfolio des Kaufobjekts, sondern auch über die Schutzrechte der Wettbewerber einen Überblick verschaffen. Ein entscheidender Faktor für die Bewertung sind die geschäftlichen Ziele des Käufers: Sie können den Preis wesentlich beeinflussen. Noch dazu können sie erhebliche Auswirkungen auf das Wettbewerbsumfeld haben und damit Konflikte mit anderen Marktteilnehmern nach sich ziehen, denn gerade chinesische Wettbewerber werden im deutschen Markt mit besonderer Aufmerksamkeit wahrgenommen.

Financial Due Diligence bei Investitionsvorhaben in China

Inbound-Transaktionen bieten deutschen Unternehmen die Möglichkeit, ihre Zulieferkette immer weiter zu schließen oder mit Hilfe ihrer Kooperationspartner den Einstieg am chinesischen Markt erfolgreich zu gestalten. Doch vor jeder Investition sollte eine sorgfältige Financial Due Diligence stehen. Hierzu lassen sich chinesische Verwaltungsvorschriften nutzen. VON MAXIMILIAN MEYER ZU SCHWABEDISSEN UND BO GAO

Nach Angaben des Datendienstleisters dealogic ist das Gesamtvolumen von Transaktionen mit Zielunternehmen in China 2014 auf 307,4 Mrd. USD gestiegen. Dabei entfällt ein wesentlicher Teil des Transaktionsvolumens (281,5 Mrd. USD) auf sogenannte Domestic Deals (Käufer und Verkäufer sind chinesische Unternehmen). Der verbleibende Teil von 25,9 Mrd. USD bestand somit aus Inbound-Transaktionen. Das Inbound-Transaktionsvolumen hat im Vergleich zum Jahr 2013 zwar abgenommen, zeigt aber weiterhin die große Bedeutung von Auslandsinvestitionen in China. Auf der anderen Seite mehren sich die schlechten Nachrichten um falsche Informationen hinsichtlich der Rentabilität und der Umsatzerlöse der Investitionsobjekte in China und es stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten bestehen, diese zu kontrollieren. Hierzu lassen sich aus den chinesischen Verwaltungsvorschriften hinsichtlich des Umsatzsteuerrechts Kriterien für die Financial Due Diligence ableiten, die zu einer Risikominimierung bei Direktinvestitionen in China beitragen können.

Golden Tax Machine

Einen wesentlichen Beitrag zur Risikominimierung kann dabei das System der „Golden Tax Machine“ und die Umsetzung der sich daraus ableitenden Informationen im Rahmen einer Financial Due Diligence leisten. Das System der „Golden Tax Machine“ wurde durch die chinesischen Behörden 1994 eingeführt und entsprechend mit einer Vielzahl von Verwaltungsvorschriften auf Ebene der einzelnen Provinzen umgesetzt. Die Einführung der „Golden Tax Machine“ soll im Wesentlichen den Steuerbetrug in China verhindern. Dieses System besteht aus Hard- und Softwarekomponenten, die das Unternehmen bei den zuständigen Behörden erwerben muss.

Steuernummern

Wichtige Bestandteile der in diesem System verwendeten Rechnungsformulare sind neben Rechnungsdatum und Beträgen auch die an die Unternehmen vergebenen Steuernummern und die durch die lokalen Finanzbehörden ausgegebenen Rechnungs- und Blocknummern. Bei Vorlage der eigenen Steuernummer wird ein Block von Rechnungsformblättern mit Rechnungs- und Blocknummern durch das Steueramt ausgegeben und im Falle der Nutzung des Formblatts auf das entsprechende Formular gedruckt. Die Steuerämter speichern den Kauf der Rechnungs- und Blocknummern durch das Unternehmen und es entsteht eine systematische Verknüpfung der Informationen hinsichtlich der Rechnungs-, Block- und Steuernummer des Unternehmens. Die verknüpfte Information dient den Steuerbehörden sowohl zur Kontrolle des Steueraufkommens als auch zur Validierung der übermittelten Informationen durch den Steuerpflichtigen.

Gewerbeerlaubnis

Des Weiteren benötigen Unternehmer in China eine gültige Gewerbelizenz. Diese Lizenz braucht der Unternehmer zur Eröffnung von Bankkonten und für die Vergabe der Steuernummer. Wie zu erkennen ist, stehen diese Voraussetzungen in engem Zusammenhang, da für den Erwerb von Rechnungen mit Rechnungs- und Blocknummern ebenfalls die Steuernummer notwendig ist. Auf Basis dieser formalen Voraussetzungen lässt sich die Financial Due Diligence um die Komponenten der Eingangs-/Ausgangsrechnungen und der Gewerbelizenzen erweitern.

Möglichkeiten für die Financial Due Diligence

Im Rahmen einer Financial Due Diligence werden in der Regel Analysen durchgeführt, um sich ein Gesamtbild des Targets zu verschaffen. Für Transaktionen im chinesischen Raum sind zusätzliche Untersuchungshandlungen lohnenswert, die durch die Bewertung der Kunden und Lieferanten weitere Informationen für den potenziellen Käufer liefern können. Bei den Gewerbelizenzen in China handelt es sich um die Basis für das unternehmerische Handeln. Demnach sollten diese Gewerbelizenzen Bestandteil einer Kunden- bzw. Lieferantenuntersuchung sein. Hierbei lassen sich Erkenntnisse darüber gewinnen, mit welcher Art von Lieferanten und Kunden das Target zusammenarbeitet, zum Beispiel vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit der Lieferantenkette. Zudem benötigt der chinesische Unternehmer eine gültige Gewerbelizenz, um einen Firmenstempel erstellen zu lassen. Diesen braucht er beispielsweise für Vertragsabschlüsse, zur Erstellung von Rechnungen und für Banktransaktionen.

Gewerbelizenzen sollten Bestandteil einer Kunden- bzw. Lieferantenuntersuchung sein.

Ausgehende und eingehende Rechnungen

Des Weiteren sollten weiterführende Untersuchungshandlungen der durch das Target erstellten Ausgangsrechnungen und der erhaltenen Eingangsrechnungen Gegenstand der Überprüfung der historischen Finanzzahlen sein. In den meisten Provinzen Chinas können in einem sogenannten Online-Checking-System Informationen hinsichtlich der Eingangs- und Ausgangsrechungen mit den Informationen des Targets abgestimmt werden. Der Umfang der online bereitgestellten Rechnungsinformationen in den einzelnen Provinzen ist sehr unterschiedlich. Im Regelfall lässt sich überprüfen, ob eine anhand ihrer Steuernummer identifizierbare Gesellschaft die entsprechende Rechnungs- und Blocknummer bei der zuständigen Finanzbehörde erworben hat. Allerdings werden in der Regel Informationen hinsichtlich des Erstellungsdatums bzw. des Rechnungsbetrages nicht durch das Online-System zur Verfügung gestellt. Dennoch lässt sich somit in einem ersten Schritt feststellen, ob das Target die vorgelegten Rechnungen bei den Finanzbehörden erworben hat und es ihm somit möglich war, entsprechende Rechnungen auch an den Kunden zu stellen. Die Praxis zeigt, dass in der Regel keine Abweichungen zwischen den Originalbelegen und den Informationen der Finanzbehörde bestehen.

Sollten jedoch Abweichungen festgestellt werden, ist eine Klärung der Abweichung nur durch die zuständige Finanzbehörde möglich. Insbesondere hinsichtlich der Eingangsrechnungen des Targets sollten Abstimmungen der Rechnungen mit den entsprechenden Online-Systemen vorgenommen werden. Erfahrungsgemäß ist dieser Bereich fehleranfälliger als der Bereich der Ausgangsrechnungen. Sollten im Bereich der Eingangsrechnungen gefälschte Unterlagen vorgelegt worden sein, wird häufig eine Mitwirkung des Lieferanten bei der Manipulation der zugrundeliegenden Unterlagen nicht auszuschließen sein, obgleich das chinesische Recht ein sehr hohes Strafmaß für derartige Manipulationen vorsieht. In der Vergangenheit konnten bei Untersuchungshandlungen dieser Art erhebliche Abweichungen zwischen den gebuchten und den tatsächlichen Umsatzkosten festgestellt werden. Für eine finale Feststellung hinsichtlich der tatsächlichen Abweichung bedarf es in diesem Zusammenhang der Mitwirkung durch die Finanzbehörden und der zeichnungsberechtigten Mitarbeiter des Targets.

FAZIT

Die Praxis zeigt, dass die Auswahl geeigneter Untersuchungshandlungen das Verhältnis von Chancen und Risiken zugunsten der Investoren verbessern kann. Im Rahmen einer Financial Due Diligence sollten daher zusätzlich die Besonderheiten des chinesischen Umfelds in Form der dargestellten Untersuchungshandlungen berücksichtigt werden, um dem Investor entsprechend eine höhere Transparenz hinsichtlich der Rentabilität und der Umsatzerlöse des Targets zu verschaffen.

Der Weg zur Profibranche: Cross-Border Investment- und M&A-Summit in Shanghai

In Shanghai versammelte die M&A-Plattform Morning Whistle am 18. und 19. April hochkarätige Experten beim zweiten chinesischen Cross-Border Investment und M&A-Summit. In fesselnden Beiträgen, kontroversen Diskussionen und auch persönlichen Gesprächen am Rande zeigte sich der neue Grad der Reife und Professionalisierung der Branche in China. M&A China/Deutschland war vor Ort. VON STEFAN GÄTZNER

The Rising of Chinese Big Buyers – das war das Motto, unter das Alex Wang, CEO und Gründer von Morning Whistle, seine Veranstaltung stellte. Gleich zur Eröffnung des Gipfels stellte er fest: Der sprunghafte Zuwachs an Outbound-Investitionen seit 2013 ist keineswegs eine Eintagsfliege – sondern die sechste große internationale M&A-Welle in der Wirtschaftsgeschichte. Nachdem 2002 nur drei große M&A-Transaktionen mit chinesischer Beteiligung gezählt wurden, waren es 2014 331 Outbound-Deals mit einem veröffentlichten Volumen von 91,4 Mrd. USD. „Daher glaube ich, dass der globale Aufstieg der der großen chinesischen Käufer längst eine unbestreitbare Tatsache ist“, so Wang in seiner einführenden Rede. Wang ist der Ansicht, dass die hohen Wachstumsraten chinesischer M&A noch mindestens drei bis fünf Jahre anhalten werden.

Regierung schafft Klarheit

Massiv gefördert wird das „Going out“ der chinesischen Unternehmen durch die Regierung, die in Windeseile bürokratische Hürden abbaut. Nach dem „Erlass Nr. 9“ im April 2014 wurde das Genehmigungsverfahren für Outbound-Investments auf ein einfacheres Registrierungsverfahren umgestellt und die Zahl der noch genehmigungspflichtigen Branchen im Investmentkatalog weiter reduziert. Wie Xing Houyuan, Stellvertretende Leiterin des Forschungsinstituts des MofCom, in ihrem Vortrag feststellte, wurden dadurch viele Unklarheiten und überlappenden Zuständigkeiten im regulatorischen Umfeld beseitigt. „Mit den klaren Regeln gibt es aber auch keine Möglichkeiten mehr, um sie herumzukommen“, stellte Xing fest. Die Freihandelszone in Shanghai spielt dabei eine wichtige Rolle. Dort werden immer weiter gehende Vereinfachungen des Verfahrens ausprobiert.

Mangel an Informationen und Services

Die chinesische M&A-Branche selbst jedoch wird von der Geschwindigkeit der Entwicklung geradezu überrollt. In der Breite fehlt es noch an professionellen Beratern – und an der Bereitschaft der Unternehmen, für deren Dienstleistungen zu bezahlen. Besonders im Bereich mittelgroßer Investitionen unter 100 Mio. USD herrscht „ein Vakuum“, wie Morning Whistle-CEO Wang herausstellte. Und es fehlt an einem Informationsaustausch zwischen Verkäufern und Käufern. Diesen Mangel will Morning Whistle mit Chinamerger.com, einer Matchmaking-Plattform speziell für chinesische Outbound-Investments, beheben. Gleichzeitig mit dem feierlichen Relaunch von Chinamerger.com auf der Veranstaltung rief Wang Unternehmen und Berater auf, sich der Plattform anzuschließen und neue Synergien zu schaffen.

Professionelles Management gefragt

Wang Jie, stellvertretender CEO der Hotelkette Jinjiang, präsentierte anhand von eigenen Fallbeispielen seine Erfahrungen bei verschiedenen Transaktionen in den USA und Europa. Für den Erfolg einer Transaktion ist seiner Meinung nach ein professioneller M&A-Prozess unabdingbar, angefangen bei der Bewertung des Targets über die Due Diligence bis hin zur Vertragsgestaltung. Dazu sind international erfahrene Intermediäre und Berater unerlässlich. Und dafür müssen die chinesischen Investoren dann auch bereit sein zu zahlen. Kritisch äußerte sich Guo Yufang, Partner bei Clairfield International, in einer der Diskussionsrunden zum derzeitigen Entwicklungsstand bei den Outbound-Investitionen. Er verglich die Situation mit „einem Blinden, der auf einem blinden Pferd reitet“. Der Blinde, das seien die chinesischen Käufer, die den internationalen M&A-Markt nicht verstünden. Das Pferd, das seien die großen internationalen Berater: Sie hätten die chinesische Geschäftskultur nicht verinnerlicht und könnten so ihre Klienten nicht richtig begleiten.

Langfristiger Zeithorizont

Dass langfristige Aspekte bei Beteiligungen im Ausland die Hauptrolle spielen sollten, hielt Patrick Zhong, Head of Global Investment bei Fosun, in einer anderen Gesprächsrunde fest. Für die größte Private-Equity-Gesellschaft Chinas stehen langfristige Partnerschaften mit den Beteiligungen und unter Einbeziehung des eigenen Limited-Partner-Netzwerks im Vordergrund. „Das Ganze ist größer als die Summe seiner Einzelteile“, beschreibt Zhong die so entstehenden Synergien. Doch der Weg dorthin ist für viele Investoren noch lang. „Vor dem Aufbruch erscheint die Reise als ein einziger Traum, doch der Weg ist dann voller Herausforderungen“, resümierte Morning Whistle-CEO Wang zum Ende des Gipfels. Die chinesische M&A-Branche hat die Herausforderungen erkannt und stellt sich ihnen.

China Convention auf der CeBIT

Auf der CeBIT in Hannover präsentierten sich Mitte März mehr als 600 chinesische Unternehmen. Darunter zahlreiche chinesische Big Player der IT-Branche wie Huawei, Alibaba, Kingsoft Software, Neusoft, TCL oder ZTE. Der Auftritt Chinas als Partnerland stand unter dem Motto: Innovation, Convergence, Cooperation.

Ein besonderer Höhepunkt war die „China Convention 2015“. „Das Wirtschaftswunder Chinas geht weiter, aber anders“, mit diesen Worten eröffnete der chinesische Generalkonsul in Hamburg, Yang Huiqun, die Veranstaltung. Chinas Wirtschaft sei auf einem Weg hin zu mehr Markt, mehr Liberalisierung und mehr Deregulierung. China würde sich neu ausrichten, aber nicht vom Westen abschotten – im Gegensatz zu der in den westlichen Medien so oft verbreiteten Darstellung. Mit Blick auf die Innovationspartnerschaft zwischen China und Deutschland sagte Yang, China demonstriere Stärke als aufstrebende IT-Nation. Das Land ist nach den USA der zweitgrößte IT-Markt weltweit. Nach einer aktuellen Studie des EITO (European Information Technology Observatory) wird der chinesische IT-Markt in diesem Jahr um 8,8% wachsen. Damit ist China eine der Nationen mit dem weltweit stärksten Wachstum in diesem Sektor.

Der Generalkonsul sieht auch für die Zukunft eine prosperierende Zusammenarbeit zwischen dem Reich der Mitte und Deutschland. „Die Chinesen haben den Markt und die Deutschen die Technologie“, resümierte Yang.

Bank of China mit neuer Niederlassung in München

Die Bank of China hat am 16. März feierlich eine neue Niederlassung in München eröffnet. Die größte und älteste Handelsbank Chinas baut damit ihre Präsenz in Deutschland weiter aus. Im exklusiven Ambiente des Schlosses Nymphenburg begrüßte die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner die Vertreter des chinesischen Finanzinstituts aus dem Reich der Mitte in der Landeshauptstadt. Tian Guoli, Vorstandsvorsitzender der Bank of China, betonte auf der Eröffnungsfeier die Bedeutung des Finanzinstituts für die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder. Wie Tian darlegte, ist die Münchner Filiale nach den Zweigstellen in Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf und Berlin die fünfte Niederlassung in Deutschland. Als erstes chinesisches Finanzinstitut eröffnete die Bank of China bereits 1989 eine deutsche Präsenz. Die Bank, die auf eine 103-jährige Geschichte zurückblicken kann, gehört mit ihren 11.000 internationalen Niederlassungen zu den sieben größten Banken der Welt. Sowohl Tian als auch Aigner hoben in ihren Grußworten die zentrale Stellung Bayerns innerhalb der deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen hervor: Rund ein Drittel der Investitionen Deutschlands fließt aus dem Freistaat in das Reich der Mitte. Über 2.000 bayerische Unternehmen sind mit Niederlassungen, Joint Ventures und Repräsentanzen in ganz China aktiv.

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